Wenn Jesus Gott ist, warum hat er dann zum Vater gebetet?


Dieses Kapitel beantwortet wahrscheinlich die wohl wichtigste Frage der Muslime

Ich bin mir sicher, dass auch das viele nicht von der biblischen Wahrheit überzeugen wird.

Aber wenn allein schon das Verständnis entsteht,

dass wir Christen uns die Trinität nicht einfach aus den Fingern saugen,

sondern dass sie tief in der Bibel verwurzelt ist,

dann werte ich das bereits als einen Sieg.

Denn damit wäre zumindest eine Lüge aus dem Weg geräumt –

nämlich die Behauptung, die Trinität sei eine spätere Erfindung der frühen Kirche,

ohne feste biblische Grundlage, und von Christen unkritisch übernommen worden.

Die Frage, warum Jesus zum Vater gebetet hat,

führt uns tief hinein in das Geheimnis seiner Menschwerdung

und in das Wirken der Trinität.

Um sie zu beantworten, müssen wir verstehen,

wie Jesus als Mensch lebte,

welche Beziehung er zum Vater und zum Heiligen Geist hatte,

und warum sein Leben ein vollkommenes Vorbild für Gläubige ist.


Jesus ist das Wort und somit Gott und Teil von Gott

Jesus war von Ewigkeit her Gott , aber er wurde Mensch, ohne seine göttliche Natur aufzugeben:

(Johannes 1,1)

„Im Anfang war das Wort (Jesus), und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“


Das Wort wurde wurde Fleisch und somit Mensch

„Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

(Johannes 1:14)

In Philipper 2,6–7 lesen wir:

„Er, der in Gestalt Gottes war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein;

sondern entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen.“

→ Jesus legte nicht seine Gottheit ab, sondern seine göttlichen Vorrechte.

Er entschied sich, als echter Mensch zu leben – mit Hunger, Müdigkeit, Schmerz und echten Gefühlen.


Warum hat Jesus zum Vater gebetet?

Weil er sich als Mensch freiwillig in völlige Abhängigkeit vom Vater begab.

„Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was der tut, das tut gleicherweise auch der Sohn.“

(Johannes 5,19)

→ Das Gebet war Ausdruck seiner innigen Beziehung und völligen Abhängigkeit vom Vater –

nicht ein Zeichen von Schwäche oder Unterordnung in der Wesensnatur,

sondern ein Ausdruck von Gehorsam, Nähe und Vertrauen.

In seiner menschlichen Natur unterstellte sich Jesus bewusst den anderen Personen der Gottheit.

Als wahrer Mensch war das Gebet seine Weise, mit dem Vater und dem Heiligen Geist in Beziehung zu treten und zu kommunizieren.


Ein Beispiel das hinkt aber vielleicht doch ein wenig erklärt

Ein (wenn auch unvollkommenes) Bild dafür wäre ein Mensch,

der bei wichtigen Entscheidungen ganz bewusst nur einem Teil seiner Persönlichkeit Raum gibt –

zum Beispiel, wenn er sich nur auf sein Bauchgefühl verlässt und dabei rationales Denken ausblendet.


Doch auch dieser Vergleich hinkt.

Denn in der Trinität sind Vater, Sohn und Heiliger Geist zwar drei unterschiedliche Personen,

aber vollkommen eins im Wesen, im Willen und in ihrer Absicht.

Sie handeln nie gegeneinander, sondern immer in vollkommener Harmonie –

und doch können sie sich gegenseitig senden, bezeugen und miteinander kommunizieren.


Gott kann seine Personen „aufteilen“.

Er kann sich entscheiden, Teile seiner selbst zu erniedrigen –

und sie wieder zu erhöhen.


Auch wenn das für den Menschen nicht begreifbar ist,

ist dieses Bild doch unglaublich faszinierend.

Und wer, wenn nicht Gott, sollte dazu in der Lage sein?


Für mich ist das gewaltig!

Mein Gott kann und ist das Unmögliche.

So sehr, dass viele – besonders Muslime – sagen:

„Das kann nicht sein!“

Sogar in einem Denken, das Übernatürliches erlaubt und alle Naturgesetze außer Kraft setzt,

gilt genau das als unmöglich!

Sie sagen: Gott kann nur in einer Person existieren!

Aber wenn die Möglichkeit der Trinität allein deshalb abgelehnt wird,

weil sie unmöglich erscheint,

dann ist der koranische Gott Allah letztlich begrenzt in seinen Fähigkeiten – oder nicht?


Mein Gott ist nicht begrenzt

Er könnte das gesagte nicht nur – er ist es!

Passend dazu sagte Gott zu Mose:

2. Mose 3,14 (Schlachter 2000):

„Und Gott sprach zu Mose: Ich bin, der ich bin! Und er sprach: So sollst du zu den Kindern Israels sagen: Der ,Ich bin‘ hat mich zu euch gesandt.“

Unter dem Gesichtspunkt des Gesagten bekommt dieses „Ich bin“ eine ganz neue, tiefere Bedeutung.

Es ist, als hätte Gott schon damals sagen wollen:

„Ich bin anders. Akzeptiert das.“

Nicht fassbar, nicht begrenzt, nicht erklärbar nach menschlichen Maßstäben.

Gott offenbart sich nicht so, wie wir es erwarten – sondern wie er es will.

Und genau darin liegt seine Größe:

Dass er größer ist als unser Denken, unsere menschliche Logik

und unsere Vorstellung vom Übernatürlichen.


Denoch betone Jesus in seiner menschlichen Form, dass er in seiner echten, geistlichen Form mit dem Vater verbunden ist, ein Gott ist, eine untrennbare Einheit ist.

Johannes 10,30 (Schlachter 2000):

„Ich und der Vater sind eins.“


Jesus lebte und wirkte durch den Heiligen Geist

Schon bei seiner Taufe kam der Heilige Geist auf ihn:

(Lukas 3,22)

„und der Heilige Geist stieg in leiblicher Gestalt wie eine Taube auf ihn herab, und eine Stimme erscholl aus dem Himmel, die sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen!“

Von da an wirkte er in der Kraft des Geistes:

(Lukas 4,14)

„Und Jesus kehrte in der Kraft des Geistes nach Galiläa zurück, und die Kunde von ihm verbreitete sich durch die ganze umliegende Gegend.“

(Matthäus 12,28)

„Wenn ich aber die Dämonen durch den Geist Gottes austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen!“

→ Seine Wunder, Heilungen und Vollmacht geschahen nicht durch seine göttliche Kraft,

sondern durch die Salbung des Heiligen Geistes – als Vorbild für geistgewirktes Leben.


Jesus als Mensch hatte echte Gefühle – Er empfand Trauer und Angst

Markus 14,34

„Und er sprach zu ihnen: Meine Seele ist tief betrübt bis zum Tod; bleibt hier und wacht!“

Hebräer 5,7

„Und er hat in den Tagen seines Fleisches sowohl Bitten als auch Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dem dargebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte, und ist auch erhört worden um seiner Gottesfurcht willen.“

→ Jesus hatte echte Angst vor dem Kreuztod, weil er menschlich empfunden hat.

doch er unterstellte sich freiwillig dem Willen des Vaters:

Lukas 22,42

„Vater, wenn du diesen Kelch von mir nehmen willst — doch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe!“


Er hätte seine Mission jederzeit abbrechen können – tat es aber nicht

Matthäus 26,53

„Oder meinst du, ich könnte nicht jetzt meinen Vater bitten, und er würde mir mehr als zwölf Legionen Engel schicken?“

→ Jesus blieb freiwillig im Gehorsam – trotz aller Möglichkeiten, der Passion zu entgehen. Er hätte mit einem Befehl das ganze römische Heer und alle Juden die gegen ihn waren vernichten können.


Seine Auferstehung war ein Werk der Trinität was wieder aufzeigt, das Jesus sich freiwillig in die menschliche Rolle schickte.


Der Vater wirkte bei der Aufstehung Galater 1,1:

„Paulus, Apostel — nicht von Menschen, auch nicht durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn aus den Toten auferweckt hat —“

Der Sohn wirkte bei der Aufstehung Johannes 10,18:

„Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir aus. Ich habe Vollmacht, es zu lassen, und habe Vollmacht, es wieder zu nehmen. Dieses Gebot habe ich von meinem Vater empfangen.“

Der Heilige Geist wirkte bei der Aufstehung: Römer 8,11:

„Wenn aber der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, so wird derselbe, der Christus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.“

→ Die ganze Dreieinigkeit wirkte zusammen – ein kraftvoller, göttlicher Akt des Lebens.


Jesus – das perfekte Vorbild für Gläubige

Jesus lebte das, was ein Christ leben soll:

In völliger Abhängigkeit vom Vater(Gott),

geleitet und befähigt durch den Heiligen Geist,

gehorsam trotz Angst,

voll Vertrauen und Gebet,

dienend statt herrschend.

Hebräer 12,2 (Schlachter 2000):

„Indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens,

der, um der vor ihm liegenden Freude willen, das Kreuz erduldete und dabei die Schande für nichts achtete

und sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat.“

→ Er zeigt uns nicht nur den Weg zu Gott,

sondern auch, wie ein Leben mit Gott wirklich aussehen sollte.


Ein bleibenden Tatsache

Das ändert aber nichts an der Tatsache,

dass der Vater zwar die volle Gottesmacht hat –

da er, wie der Heilige Geist und der Sohn, vollkommen Gott ist –

aber nicht komplett ist ohne den Sohn und den Heiligen Geist.

Denn letztlich operieren sie immer zusammen.

In seiner vollständigen, spirituellen Form

sind diese drei Personen, Gott, seit Ewigkeit untrennbar miteinander verbunden:

1. Johannes 5,7 (Schlachter 2000):

„Denn drei sind, die Zeugnis ablegen im Himmel:

der Vater, das Wort und der Heilige Geist;

und diese drei sind eins.


Abschließender Gedanke

Nur weil Gott mehr ist als ein Mensch je denken könnte –

aber sich doch in Jesus ganz nahbar gezeigt hat –

ist es möglich, dass der Allmächtige als abhängiger Mensch lebt,

leidet, betet, gehorcht – und letztlich über Tod und Sünde triumphiert.

Die Trinität ist kein Widerspruch –

sie ist der Schlüssel, warum Gott Mensch werden konnte, ohne aufzuhören, Gott zu sein und zum Vater gebetet hat

Und warum wir in Jesus unseren Erlöser, Mittler, Bruder und Vorbild zugleich finden.

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