Die 3 Arten von Liebe in der Bibel
Die Bibel unterscheidet drei Arten von Liebe, die im Deutschen alle mit „Liebe“ wiedergegeben werden:
Agápē (ἀγάπη) – selbstlose, göttliche, sich hingebende Liebe.
Philía (φιλία) – freundschaftliche Liebe, Zuneigung und Verbundenheit.
Eros (ἔρως) – leidenschaftliche, romantische Liebe; dieser Begriff erscheint im Neuen Testament nicht.
Das Alte Testament – besonders das Hohelied – beschreibt die romantische Liebe zwischen Mann und Frau in poetischer und sinnlicher Weise und verwendet dafür das hebräische Wort אַהֲבָה (ahavah), das die begehrende, leidenschaftliche Liebe zwischen Mann und Frau bezeichnet.
Die romantische Liebe im Hohelied
Hohelied 1,2–4
„Er küsse mich mit den Küssen seines Mundes!
Denn deine Liebe ist lieblicher als Wein.
Lieblich duften deine Salben;
dein Name ist wie ausgegossenes Salböl;
darum lieben dich die Mädchen.
Zieh mich dir nach, so laufen wir!
Der König hat mich in seine Gemächer geführt.
Wir wollen jubeln und uns an dir freuen,
wir preisen deine Liebe mehr als Wein;
mit Recht liebt man dich.“
Hohelied 4,10–16
„Wie schön ist deine Liebe, meine Schwester, Braut!
Wie viel besser ist deine Liebe als Wein
und der Duft deiner Salben als alle Gewürze!
Honigseim träufeln deine Lippen, meine Braut;
Honig und Milch sind unter deiner Zunge,
und der Duft deiner Kleider ist wie der Duft des Libanon.
Ein verschlossener Garten ist meine Schwester, Braut,
ein verschlossener Born, eine versiegelte Quelle.
Deine Schösslinge sind ein Lustgarten von Granatbäumen
mit edlen Früchten, Zyperblumen samt Narden;
Narde und Safran, Würzrohr und Zimt,
mit allerlei Weihrauchbäumen,
Myrrhe und Aloe, samt allen besten Gewürzen.
Ein Gartenquell bist du, ein Brunnen lebendigen Wassers,
Bäche, die vom Libanon fließen.
Erwache, Nordwind, und komm, Südwind,
durchwehe meinen Garten, dass seine Gewürze strömen!
Mein Geliebter komme in seinen Garten
und esse seine edlen Früchte!“
Hier wird die leidenschaftliche, begehrende Liebe sichtbar – das, was wir als Eros bezeichnen.
Die Honeymoonphase
Viele Studien und Beziehungsexpertinnen und -experten beschreiben diesen Zeitraum als typische Phase intensiver Verliebtheit bei neuen Paaren. Sie ist geprägt von starken Dopamin- und anderen neurochemischen Effekten, die euphorische Gefühle auslösen. In der Regel dauert diese Phase etwa sechs Monate bis ein Jahr.
Die frühen Gefühle werden stark durch neurochemische Prozesse beeinflusst: Dopamin, Noradrenalin und Veränderungen im Serotoninhaushalt sind beim Kennenlernen besonders aktiv.
Doch was geschieht danach?
Die sogenannte Honeymoonphase ist wissenschaftlich gut untersucht. Nach ungefähr einem Jahr verschwindet die „rosarote Brille“. Der Eros tritt gewissermaßen in den Hintergrund. Das bedeutet nicht, dass Sexualität oder Gefühle aus der Beziehung verschwinden. Doch die Intensität ist nicht mehr dieselbe wie am Anfang.
Was trägt eine Ehe also langfristig?
Die Bibel nennt das Fundament einer tragfähigen Ehe sehr klar: Agápē. Und das ist kein Zufall. Der Eros dient der intensiven Anfangsbindung. Er führt zur körperlichen Vereinigung von Mann und Frau – „sie werden ein Fleisch“. Doch Eros allein trägt eine Ehe nicht dauerhaft.
Gerade diese Unkenntnis hat vermutlich schon viele Ehen zum Scheitern gebracht. Sie zeigt zugleich, wie sehr unsere Gesellschaft gefallen ist – weil sie offenbart, wie stark Beziehungen auf die Erfüllung eigener Bedürfnisse gegründet werden. Solange diese Bedürfnisse erfüllt werden, scheint alles stabil. Doch sobald das nachlässt, wird plötzlich das Neue attraktiver.
Was sagt das über den Menschen in der Beziehung aus?
Wenn ich nicht mehr bekomme, was ich will, verliert mein Partner oder meine Partnerin dann an Wert? War all die gemeinsame Zeit, all die geschenkte Liebe am Ende nichts mehr wert? Wird der andere unbedeutend, weil er oder sie meine Erwartungen nicht mehr erfüllt? Wenn Liebe nur noch an Leistung oder Bedürfnisbefriedigung geknüpft ist, dann wird der Mensch austauschbar – und genau das widerspricht dem Wesen der Agape.
Die göttliche Liebe als Fundament der Ehe
Die Grundlage der Ehe ist die von Gott gestiftete Einheit:
„Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden ein Fleisch sein.“
(Genesis 2,24)
Diese Einheit geht über Gefühle hinaus. Sie bedeutet lebenslange Verbundenheit und Verantwortung – eine Verantwortung, die Gott in der Bibel besonders von den Männern einfordert.
Agápē kann man als „Liebe für die Seele des Menschen“ bezeichnen. In der Bibel heißt es, dass Gott das Herz ansieht und nicht das Äußere. Und genau das will Gott auch in der Ehe.
Nur Agápē kann die wahre, tragende Liebe sein. Der Eros, wie er im Hohelied ausführlich beschrieben wird, ist stark vom körperlichen Verlangen geprägt. Dieses Verlangen ist nicht falsch – es ist von Gott eingerichtet, damit wir uns vermehren können. Doch Eros reduziert den Menschen bis zu einem gewissen Grad auf seinen Körper. Natürlich sind auch Gefühle im Spiel aber eben auch starkes körperliches Verlangen.
Agápē hingegen hebt die Seele hervor – den wahren Kern des Menschen – und macht ihn zu mehr als nur zu einem Körper, den man begehrt.
Gottes Liebe währt ewig. Sie ist nicht auf ein Leben oder eine bestimmte Phase beschränkt. Sie bleibt, sie ist echt und sie misst jedem Menschen echten Wert unabhängig von Leistung zu.
Die Definition der Liebe
Im Erster Korintherbrief 13,4–7 wird Agape so beschrieben:
Die Liebe ist langmütig und freundlich,
die Liebe eifert nicht,
sie treibt nicht Mutwillen,
sie bläht sich nicht auf,
sie verhält sich nicht ungehörig,
sie sucht nicht das Ihre,
sie lässt sich nicht erbittern,
sie rechnet das Böse nicht zu,
sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit,
sie freut sich aber an der Wahrheit;
sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, duldet alles.
Gott verlangt Agápē in der Ehe
Epheserbrief 5,25–28
„Ihr Männer, liebt (ἀγαπᾶτε – agapáte, Agápē) eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat (ἠγάπησεν – ēgápēsen, Agápē) und sich selbst für sie hingegeben hat,
damit er sie heilige, nachdem er sie gereinigt hat durch das Wasserbad im Wort,
damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstelle, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und untadelig sei.
So sind auch die Männer verpflichtet, ihre eigenen Frauen zu lieben (ἀγαπᾶν – agapân, Agápē) wie ihre eigenen Leiber. Wer seine Frau liebt (ἀγαπῶν – agapōn, Agápē), liebt sich selbst.“
Kolosserbrief 3,19
„Ihr Männer, liebt (ἀγαπᾶτε – agapáte, Agápē) eure Frauen und seid nicht bitter gegen sie.“
Schlusswort
Die Ehe vereint zwei Dimensionen der Liebe: Zuerst entfacht der Eros die Beziehung – Leidenschaft, Begehren und körperliche Freude, wie sie im Hohelied poetisch und sinnlich beschrieben werden. In der Honeymoonphase sind diese Gefühle besonders intensiv. Mit der Zeit nimmt die anfängliche Intensität ab; die Sexualität bleibt zwar bestehen, sie steht jedoch nicht mehr im Vordergrund und trägt die Ehe nicht dauerhaft.
In einer christlichen Ehe, in der beide Partner echte Christen sind, wächst dagegen die Agápē – die selbsthingebende, beständige Liebe, die im Neuen Testament ausdrücklich geboten wird. Agápē ordnet, durchdringt und trägt den Eros, macht die Ehe tragfähig und hält sie unabhängig von schwankenden Gefühlen. Sie zeigt den wahren Wert des Partners, der nicht von der Erfüllung eigener Bedürfnisse abhängt, sondern von Hingabe, Verantwortung und göttlicher Liebe geprägt ist.
Agápē zwischen Ehepartnern ist zugleich ein Ausdruck der göttlichen Liebe in unserem Leben. Sie ist ein Vorgeschmack auf die himmlischen Zustände, in denen Ehe und Sexualität nicht mehr nötig sind, weil die Liebe Gottes vollkommen und nicht-sexuell ist. Die eheliche Agápē auf Erden verweist damit auf die ewige Liebe Gottes und ermöglicht es, dass menschliche Beziehungen bereits hier ein Abbild dieser göttlichen Liebe widerspiegeln.
Eros entfacht die Liebe.
Agápē ordnet, vollendet und trägt sie lebenslang.
Im Kapitel "Begehren oder wie man Gott am besten ins Gesicht spucken kann" zeige ich im Detail auf, warum Begehren eigentlich so schlimm ist und unglaublich despektierlich gegenüber Gott und dem/der Ehepartner/in.
Link: Begehren oder wie man Gott am besten ins Gesicht spucken kann