Warum Gott den Baum im Garten Eden pflanzte


Die schwierigsten biblischen Tatsachen werden auf dieser Seite erklärt. Doch der Baum im Garten Eden war für mich immer der Endgegner.

Warum pflanzte Gott einen derart gefährlichen Baum in den Garten Eden? Einen Baum, der alle Menschen in große Gefahr bringen würde – nicht nur Adam und Eva, sondern auch ihre Nachkommen. Alle Menschen laufen dadurch Gefahr, nach ihrem Tod in einer übernatürlichen Folterkammer zu landen – für alle Ewigkeit! Ein klarer Overkill, den ich mir lange nicht erklären konnte. Die Hölle ist doch schon drastisch genug. Aber dann auch noch dieser Baum!

Dieser Baum bereitete mir viele Stunden Kopfzerbrechen. Lange betete ich darum, Gott möge mir die nötige Einsicht schenken. Und er hat sie mir geschenkt. Es dauerte lediglich sieben Jahre, bis Gott der Meinung war, dass ich reif genug sei, das Geheimnis dieses Baumes zu verstehen. Geduld wird belohnt.


Schnallt dich an:

Der Baum im Paradies ist weder Strafe noch Falle, sondern eine Option: die Möglichkeit, sich von Gott zu trennen – von der Quelle der Liebe, des Lichts und des Seins selbst. Er steht für die Freiheit des Menschen, sich vom Schöpfer zu lösen, der ihm Körper, Seele und Intellekt gegeben hat. 

Er steht auch für etwas noch Tieferes. Die Trennung von Gott ist Trennung vom Leben selbst. Wer sich gegen Gott entscheidet, zieht faktisch selbst den Stecker aus der Dose. Den unsere Existenz ist an Gottes Existenz geknüpft.

"aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du gewisslich sterben!"

(Genesis 2:17)


Er steht für totale Handlungsfreiheit – unabhängig von Gott.

Die Geschichte von Adam und Eva wirkt auf den ersten Blick sehr naiv und detailarm. Gerade diese Knappheit verleitet dazu, falsche Schlüsse zu ziehen, weil kaum etwas über die konkrete Beziehung zwischen Gott und Mensch im Garten Eden erzählt wird. Liest man jedoch die gesamte Bibel, wird deutlich: Gott ist fair. Gott warnt ausreichend. Gott ist kein Täuscher und kein Lügner, und er begegnet allen Menschen mit Liebe, die ihm aufrichtig begegnen.

Ich kann daher mit gutem Gewissen davon ausgehen, dass Gott Adam und Eva viel Aufmerksamkeit und Zeit geschenkt hat. Er war keine ferne Lichtgestalt, die gelegentlich im Garten erschien, ein paar Regeln verkündete und die Menschen anschließend sich selbst überließ.

Adam und Eva wussten, was dieser Baum bewirken konnte. Sie kannten die Möglichkeit. Sie wussten um die Option, das Ruder über Gut und Böse selbst in die Hand zu nehmen. Der Baum versprach große Verantwortung und Weisheit:

„Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben,

sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan,

und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.

Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von seiner Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon, und er aß.“

(Genesis 3,4)

Genauso wussten sie, dass Gott sie ausreichend über die Konsequenzen gewarnt hatte – über die spirituelle Trennung, die schwerwiegende Folgen haben würde, weil die Macht des Baumes sie korrumpieren würde:

„Aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen;

denn an dem Tag, da du davon isst, musst du gewisslich sterben!

(Genesis 2,17)

Ihnen war bewusst, dass dieser Baum eine Trennung zwischen Geschöpf und Schöpfer ermöglichen würde.

Sie wussten aus vielen Gesprächen, dass die Entscheidung für den Baum zugleich eine Entscheidung gegen Gottes Führung war – eine Art Emanzipation gegenüber Gott. Es war der Versuch, selbst festzulegen, was Moral bedeutet, was gut ist und was böse ist.

Und Gott hatte sie ausreichend gewarnt. Er machte ihnen deutlich, dass er die Quelle des Lebens, des Lichts und des Seins ist und dass sie dieses Wissen nicht eigenständig handhaben können. Er warnte sie davor, dass sie von ihm abhängig sind, weil er die Existenz selbst ist. Durch seine Präsenz ist der Mensch und das Universum! Er warnte seine Schöpfung, weil er sie liebte. Er warnte, dass die Entscheidung eine Trennung verursachen würde, weil in seiner Gegenwart nur vollständig Heiliges bestehen kann.


Aber: Adam und Eva entschieden sich für die Lüge Satans – und Gott ließ es zu.

Ist die gefallene Welt also gewollt? In gewisser Weise ja – und zugleich nein. Gott wollte die Trennung nicht. Doch der Zustand der Welt zeigt unübersehbar, was geschieht, wenn der Schöpfer aus der Rechnung gelassen wird. Genau darin liegt eine zentrale Lektion für den Menschen.

Diese Welt ist ein Spiegel, eine Ohrfeige für den Menschen, der immer noch meint, er hätte Gut und Böse im Griff.

Dies ist der Grund, warum der gefallene Zustand auf alle Menschen übergegangen ist und Gott dies bewusst nicht verhindert hat: Er will, dass wir erkennen, dass ohne ihn alles aus dem Gleichgewicht gerät. Gott ist die Quelle des Seins und das stabilisierende Prinzip der Wirklichkeit. Ohne ihn ist der Mensch nicht fähig, wahrhaft gut zu sein oder dauerhaft die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Das mag auf den ersten Blick unfair erscheinen. Doch letztlich trifft der Mensch seine Entscheidungen auf der Grundlage seines freien Willens. Er wird nicht unter der unmittelbaren Führung Gottes geboren, sondern entscheidet selbst, was er für richtig oder falsch hält – und trägt die Konsequenzen dieser Freiheit.

Hier liegt ein scheinbarer Widerspruch: Wir befinden uns in einem gefallenen Zustand, der nicht unsere persönliche Schuld ist. Gleichzeitig liegt es in unserer Verantwortung, ob wir diesen Zustand akzeptieren oder ob wir uns bewusst für eine Veränderung entscheiden. Gott nimmt jeden Menschen in die Verantwortung, diese Wahrheiten anzuerkennen.

Genau hier liegt der Kern des Problems – oder eben die Fairness in dieser Situation, wenn man darüber nachdenkt: Der Mensch kann sich jetzt wahrhaft für Gott entscheiden. Das kann er, und das soll er – auf der Grundlage seines Intellekts und seines freien Willens.

Aus einer schlechten Entscheidung ist paradoxerweise dennoch etwas Gutes hervorgegangen: Gott will, dass der Mensch sich freiwillig und bewusst für ihn entscheidet. Nicht aus Zwang, sondern aus Einsicht – aus der Erkenntnis, dass er Gott braucht.

Dabei erhebt Gott keinen Machtanspruch. Er ist vielmehr die Natur des Seins selbst. Nur durch ihn existieren wir, und nur er ist in der Lage, die Ordnung der Welt aufrechtzuerhalten. Der Mensch kann das nicht. Er ist Geschöpf, nicht allmächtiger Schöpfer.

Wirklich gut zu sein und das Richtige zu tun, ist dem Menschen letztlich nur möglich, wenn er Gott wieder in die Rechnung aufnimmt. Die gefallene Welt ist das Ergebnis davon, dass der Mensch selbst über Gut und Böse entscheiden wollte und sich Gott aus freiem Willen nicht unterstellen wollte. Echter freier Wille setzt die reale Möglichkeit der Trennung voraus – und ich denke, genau das ist Gott sehr wichtig.

Hätte Gott diese Möglichkeit nicht geschaffen, wäre er wie ein Vater, der seine Kinder im Keller einsperrt und zugleich behauptet, ohne ihn gehe es ihnen schlecht – ohne ihnen jemals die Möglichkeit zu geben, dies selbst zu erkennen.


Wichtig ist: Gott hat dem Menschen die Möglichkeit zur spirituellen Trennung bewusst in die Hand gegeben.

Die Möglichkeit, Gott zu verneinen und selbst die Zügel in die Hand zu nehmen, ist entscheidend für echte Freiheit – auch wenn die Konsequenzen katastrophal waren und immer noch sind. Man muss sich diese Welt nur ansehen: all diese Gewalt, all diese Ungerechtigkeit. Ein echter Mülleimer.

Man mag Gott erneut vorwerfen, das sei unfair. Doch was braucht es eigentlich, um wieder im Reinen mit Gott zu sein?

Es braucht nichts anderes, als ihm die Zügel zurückzugeben und seine Führung wieder anzunehmen. Keine Leistung, keine Vorbedingungen. Der Mensch muss lediglich einige grundlegende Wahrheiten anerkennen:

– Er ist Geschöpf, nicht Schöpfer.

– Er ist gefallen und nicht gut im Sinne Gottes.

– Er kann die Bürde von Gut und Böse nicht selbst tragen.

– Jesus ist der Ausweg aus diesem Zustand, weil Beziehung mit ihm eine grundlegende Veränderung des Menschen bewirkt – und diese ist an nichts anderes geknüpft als an den Glauben an ihn.

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