Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
(Ausschnitt aus dem Vaterunser)
Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird auch euer himmlischer Vater euch vergeben.
(Markus 11,25)
Das ist der Kern des christlichen Glaubens: Christsein bedeutet, Gott in seiner Güte und Gnade immer ähnlicher zu werden. Und wenn Gott allen verzeihen kann, dann sind auch wir aufgefordert, das zu tun.
Doch wichtig ist: Vergebung ist nicht dasselbe wie Versöhnung.
Vergebung ist ein bewusster Prozess. Sie bedeutet, dass ein Mensch sich entscheidet, Groll, Wut oder Schmerz gegenüber jemandem loszulassen – und stattdessen einen positiven Weg einschlägt. Es geht darum, jemandem zu verzeihen, der uns Unrecht getan hat, und die negativen Gefühle loszulassen, die uns an dieses Unrecht binden.
Vergebung ist ein wichtiger Schritt zur Heilung, sowohl für unser Herz als auch für unsere Beziehungen. Sie kann inneren Frieden schaffen und uns helfen, nach vorne zu blicken. Doch Vergebung verlangt nicht, das Verhalten der anderen Person gutzuheißen, zu vergessen, was passiert ist, oder so zu tun, als wäre nichts geschehen.
Was Vergebung nicht ist:
• Sie bedeutet nicht, dass wir mit der Person wieder Kontakt haben oder uns versöhnen müssen.
• Sie fordert nicht, dass wir die Beziehung aufrechterhalten, insbesondere wenn dies nicht zumutbar ist.
• Sie entbindet die andere Person nicht von der Verantwortung vor Gott oder vor der Gesellschaft.
Was Vergebung bedeutet:
• Sie ist eine Entscheidung, sich nicht mehr von negativen Gefühlen wie Hass oder Rache bestimmen zu lassen.
• Sie bedeutet, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und sich auf ein neues, freies Leben zu konzentrieren.
• Sie schenkt uns selbst inneren Frieden und ermöglicht einen Abschluss.
Beispiel: Niemand verlangt, dass Eltern Zeit mit dem Mörder ihres Kindes verbringen müssen. Aber Vergebung kann dennoch geschehen – als Akt, um selbst frei zu werden von den Fesseln der Wut und des Schmerzes.
Vergebung ist nicht leicht. Aber sie ist ein Geschenk, das wir uns selbst machen können – eine Möglichkeit, Frieden zu finden und nach vorne zu gehen.