Scham


Kinder kennen keine Scham

Zumindest nicht bis zum sechsten Lebensjahr. Ab sechs Jahren kommen zum ersten Mal Gedanken wie:

  • Ich bin weniger wert als andere, weil ich so und so bin
  • Ich bin falsch

Das ist schon krass, wenn man darüber nachdenkt. Schon ab 6 Jahren kann der Mensch das Gefühl haben: 

"Mit mir stimmt etwas nicht."

Matthäus 18,3–4

„Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

Wer nun sich selbst erniedrigt wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich.“

Wir müssen wieder wie die Kinder werden, rein in Absicht und ohne Scham. Wie müssen wieder so werden wie Adam und Eva vor dem Sündefall im Paradies. In Harmonie mit sich und Gott:

Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und sie schämten sich nicht. 

(1.Mose 2:25)


Objektifizierung als Kern des Scham-Problems

Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie erkannten, dass sie nackt waren; und sie banden sich Feigenblätter um und machten sich Schurze.

(1.Mose 3:7)

Im Sündenfall geschieht ein grundlegender Bruch in der menschlichen Existenz. Er betrifft nicht zuerst Moral oder Verhalten, sondern Wahrnehmung, Beziehung und Leiblichkeit. Der Mensch verliert eine ursprüngliche Einheit von Gott, Person und Leib.


Der ursprüngliche Zustand: personale Ganzheit

Der Mensch war Person in Beziehung, nicht Objekt. Nacktheit war selbstverständlich und schamlos, weil es keinen objektivierenden Blick gab. Der Leib war nicht etwas, das der Mensch hatte, sondern Ausdruck dessen, wer er war. Er war vollständig vom Geist durchdrungen und stand in harmonischer Ordnung.

Sexualität war vollständig in die göttliche Liebe eingebettet. Sie war nicht triebhaft, nicht selbstzweckhaft, sondern geordnet, getragen und ausgerichtet. Der Leib musste nichts leisten, nichts beweisen, nichts rechtfertigen. Er war gut, weil er gegeben war.

Der Mensch sah sich selbst durch den göttlichen Blick. Sein Wert lag nicht in Bewertung, sondern in Bejahung.


Der Fall: Veränderung des Blicks

Mit dem Fall verändert sich der Blick. Der Mensch beginnt, sich selbst und den anderen zu objektifizieren. Der Leib wird nicht mehr ausschließlich als personale Gabe wahrgenommen, sondern als etwas, das gesehen, bewertet, begehrt oder benutzt werden kann.

„Warum schaut Adam auf einmal so auf meine Brüste und meine Körpermitte? Stimmt etwas nicht?“, musste sich Eva gedacht haben.

Das Erkennen der Nacktheit ist genau dieses neue Sehen. Der Leib wird bewusst als exponiert erlebt. Sexualität ist nicht mehr automatisch geordnet; sie löst sich teilweise aus der Führung und wird autonom. Der Leib gehorcht nicht mehr selbstverständlich dem Guten.


Objektifizierung

Scham entsteht dort, wo der Mensch sich als Objekt erlebt. Sie ist die unmittelbare Reaktion der Person auf Objektifizierung. Der Mensch erkennt:

  • Ich kann gesehen werden, ohne geliebt zu werden.
  • Ich kann benutzt werden, ohne mich zu verschenken.
  • Ich kann gesehen werden und als minderwertig beurteilt werden.

Nacktheit wird gefährlich, weil sie den Leib verfügbar macht. Scham ist keine moralische Reflexion, sondern eine existentielle Erfahrung. Der Mensch erlebt sich als ausgesetzt.

Der Mensch objektifiziert nicht nur den anderen, sondern auch sich selbst. Der eigene Leib wird nicht mehr selbstverständlich als „Ich“ erlebt, sondern teilweise als „Etwas“. 

Daraus entsteht die innere Spaltung:

  • Person und Körper
  • Geist und Begierde
  • Der Mensch steht sich selbst gegenüber


Vom Objekt-Sein zum Nicht-genügen

Ein Objekt wird bewertet. Mit der Objektifizierung entsteht der Maßstab. Der Leib steht unter der Frage:

  • Bin ich begehrenswert?
  • Bin ich richtig?
  • Bin ich genug?

Das Gefühl des Nichtgenügens ist die unmittelbare Folge. Scham ist damit das erste körperliche Unzulänglichkeitsgefühl. Der Mensch erlebt, dass mit seinem Leib etwas nicht stimmen könnte.

Der Mensch sieht sich nicht mehr durch den tragenden Blick, sondern durch den Blick des Anderen. Der Wert des Leibes wird abhängig von Wahrnehmung und Anerkennung. Der Leib verliert seine Selbstverständlichkeit und wird bewertbar.

Daraus entsteht die innere Stimme des Mangels: Ich genüge nicht. 

Kinder haben dieses Gefühl nicht.


Sexualität als Brennpunkt der Verwundung

Sexualität ist der Ort maximaler Sichtbarkeit und Bewertung. Hier bündeln sich Scham, Vergleich, Konkurrenz und Angst vor Zurückweisung. Der Leib wird zur Darstellung, zur Leistung, zur Bedingung für Annahme.

Das ursprüngliche Sein-in-Liebe wird ersetzt durch Sich-beweisen-müssen.


Kleidung als notwendige Ordnung

Und Gott der HERR machte Adam und seiner Frau Kleider aus Fell und bekleidete sie.

(1.Mose 3:21)

Die Bedeckung des Leibes ist eine notwendige Antwort auf die neue Situation. Kleidung schafft Grenze, Distanz und Ordnung. Sie schützt die Person vor Reduktion auf Objektstatus. Sie schützt den eigentlichen, natürlichen Körper vor Bewertung.

Die Herstellung von Kleidung ist Anerkennung der neuen menschlichen Verwundbarkeit. Der Leib ist nicht mehr selbstverständlich sicher.


Wie Satan die Scham, schamlos ausnutzt

Die innere Fixierung auf den eigenen Leib und seine vermeintlichen Unzulänglichkeiten bindet die Aufmerksamkeit und stört zwischenmenschliche Beziehungen. Der Mensch wird in ständiger Selbstbeobachtung gehalten. Statt Beziehung entsteht Selbstbesessenheit, und die innere Spaltung vertieft sich weiter.

Satan und seine Welt nutzen die Scham, um den Menschen gefangen zu halten. Wie bereits im Kapitel „Warum wir uns minderwertig fühlen“ gezeigt wurde, besteht das Ziel darin, den Menschen in seinen vermeintlichen Unzulänglichkeiten zu bestärken und dort festzuhalten. So entsteht ein Hamsterrad, in dem der Mensch gefangen bleibt und dadurch von der biblischen Wahrheit ferngehalten wird. Er hat keine Zeit für anderes. Ein täglicher Kampf mit der Oberflächlichkeit der gefallenen Welt.

Die Welt Satans gaukelt vor, dass es perfekte Menschen und perfekte Körper gebe. In der Mode- und Filmwelt werden uns solche „perfekten“ Menschen ständig vor Augen geführt – erzeugt durch Photoshop, gezielte Belichtung, Make-up, CGI und verbotene Muskelaufbaupräparate. Dadurch wird die eigene, vermeintliche Unzulänglichkeit weiter verstärkt.

Auch die Sexindustrie hat einen großen Einfluss auf das eigene Körpergefühl. Sexualität wird dort auf Leistung reduziert: Leistung im Sinne von ständigem Funktionieren und dem Ausleben dessen, was Gott verboten hat. Auch das verwirrt den Menschen und seine Sexualität und seine Beziehung zum eigenen Körper.


Nackheit und Scham sind Privatsache, besonders in zwischen Eltern und Kindern

"Als er aber von dem Wein trank, wurde er betrunken und entblößte sich in seinem Zelt. Und Ham, der Vater Kanaans, sah die Blöße seines Vaters und erzählte es seinen beiden Brüdern draußen. Da nahmen Sem und Japhet das Gewand und legten es auf ihre Schultern und gingen rücklings und deckten die Blöße ihres Vaters zu und wandten ihre Angesichter ab, damit sie die Blöße ihres Vaters nicht sahen. Als nun Noah von dem Wein erwachte und erfuhr, was ihm sein jüngster Sohn getan hatte, da sprach er: »Verflucht sei Kanaan! Ein Knecht der Knechte sei er seinen Brüdern!«

(1.Mose 9:21)

Natürlich können Vater oder Mutter gemeinsam mit ihrem Baby baden. Doch es kommt der Moment, in dem Mutter und Vater sich nicht mehr nackt vor den Kindern zeigen dürfen – und umgekehrt gilt das ebenso. Auch in Schulen sollte das natürliche Schamgefühl eine Rolle spielen. Separate Duschen sollten dort Standard sein.

Für eine gesunde Entwicklung des Selbstwertgefühls ist das Schamgefühl wichtig und sollte nicht ins Lächerliche gezogen werden. 

Scham ist ein natürliches und gesundes Gefühl und hat nichts mit Unfreiwilligkeit, Verkrampfung oder Verklemmtsein zu tun.

Jeder Mensch hat das natürliche Recht, seinen nackten Körper anderen zu verwehren! Und genauso darf niemand die eigene Blösse einem anderen Menschen aufdrängen.

Kinder können irritiert, peinlich berührt oder verunsichert sein, wenn sie ihre Eltern nackt sehen, besonders wenn es sich um den gegengeschlechtlichen Elternteil handelt. Dieses Unbehagen ist Ausdruck der natürlichen Entwicklung von Scham, Selbstschutz und Körperbewusstsein. Im Laufe der Zeit lernen Kinder, ihre eigenen Grenzen zu erkennen, und äußern häufig Wünsche nach Privatsphäre, etwa dass Eltern sich beim Umziehen abwenden oder getrennte Badezimmer nutzen.


Das wichtigste zum Schluss

Wir können nur wieder wie die Kinder werden, wenn wir anerkennen, dass wir in einem gefallenen Zustand leben und Erlösung sowie tiefgreifende Veränderung durch Gott Jesus Christus brauchen. Durch sein Kreuzopfer können wir dem gefallenen Zustand entfliehen. Wir können wieder Gemeinschaft mit Gott haben, so wie Adam und Eva vor dem Sündenfall. Gott kann uns leiten und zeigen, was seine göttliche Wahrheit ist. Das ist nicht bloßer Glaube, sondern Tatsache. Ich wünsche jedem Menschen, dass er diese Erfahrung machen darf.

Ich wünsche auch jedem Menschen, dass er versteht, was König David schon gesagt hat. Nämlich, dass wir

wunderbar und perfekt sind. Mit uns stimmt alles, weil wir so gemacht wurden! Gott liebt uns.

Psalm 139,14

„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“

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