Satans Alter Ego: Der Geist von Eliphas


Hiob 4,12-21 in der Schlachterbibel

„Und mir geschah heimlich ein Wort, und mein Ohr vernahm ein Flüstern davon. In Gedanken, die von Nachtgesichten kommen, wenn tiefer Schlaf die Menschen befällt, da kam mich ein Schrecken und Zittern an, und alle meine Gebeine erschraken. Da strich ein Hauch an meinem Angesicht vorüber; es standen mir die Haare zu Berge. Da stand ein Gebilde vor meinen Augen; ich hörte eine leise Stimme: ‚Kann wohl ein Sterblicher gerecht sein vor Gott, oder ein Mann rein vor seinem Schöpfer? Siehe, seinen Dienern traut er nicht, und seinen Engeln wirft er Irrtum vor; wie viel mehr denen, die in Lehmhütten wohnen, deren Grund im Staub liegt, die man wie Motten zertritt! Von Morgen bis Abend werden sie zerschmettert; ohne dass man es beachtet, kommen sie für immer um. Wird nicht ihr Zeltstrick in ihnen herausgerissen? Sie sterben, doch ohne Weisheit.‘“

Das Buch Hiob ist ein tiefgreifendes Werk, das die Theodizee – die Rechtfertigung Gottes angesichts menschlichen Leidens – untersucht. Eine zentrale Passage ist die Vision, die Eliphas in Hiob 4,12-21 beschreibt. Hier spricht ein Geist, dessen Identität und Botschaft von entscheidender Bedeutung sind. Anders als alle anderen göttlichen Boten, die in der Bibel klar erkannt werden, bleibt dieser Geist anonym und unerkennbar. Seine Worte sind geprägt von Anklagen und Manipulation, was ihn als Satan identifizierbar macht, der sich durch das Buch Hiob als Hauptgegner Gottes und Hiobs zeigt.

Satan hatte bereits alles in seiner Macht Stehende unternommen, um Hiob zu quälen. Zuerst zerstörte er Hiobs Besitz und ließ seine gesamte Familie sterben. Als das Hiob nicht dazu brachte, Gott zu verfluchen, griff Satan Hiobs Gesundheit an und befleckte seinen Körper mit schmerzhaften Geschwüren. Dies war das Maximum an physischer und emotionaler Folter, das Satan Hiob zufügen konnte. Mehr hatte ihm Gott nicht erlaubt. Doch selbst inmitten dieser Qualen blieb Hiob Gott treu. Ohne die Möglichkeit, weiteren äußeren Schaden anzurichten, wandte sich Satan seiner größten Fähigkeit zu: der Manipulation.

Die Worte des Geistes in Eliphas’ Vision sind ein klarer Beweis für Satans manipulative Natur. Er beginnt, indem er die Engel selbst infrage stellt: „Siehe, seinen Dienern traut er nicht, und seinen Engeln wirft er Irrtum vor.“ Damit beschwert sich Satan darüber, dass Gott selbst den reinsten und mächtigsten Wesen nicht vertraut, was eine versteckte Anklage gegen Gottes Gerechtigkeit ist. Er deutet an, dass Gottes Maßstäbe unerreichbar sind und selbst die Engel diesen nicht genügen können. Dies ist typisch für Satans Taktik, Misstrauen gegenüber Gottes Charakter zu säen.

Danach richtet sich der Geist gegen die Menschheit und beschreibt sie als Bewohner von „Lehmhütten“, deren Fundament im Staub liegt. Er bezeichnet die Menschen als zerbrechlich, bedeutungslos und vergänglich: „Von Morgen bis Abend werden sie zerschmettert; ohne dass man es beachtet, kommen sie für immer um.“

Der Geist geht sogar so weit, den Menschen Verstand abzusprechen, indem er sagt, sie sterben „ohne Weisheit.“ Diese Worte sind darauf ausgerichtet, die Menschen zu entmutigen, sie ihrer Würde zu berauben und sie in ihrer Beziehung zu Gott zu schwächen.

Die manipulative Absicht hinter diesen Aussagen ist klar. Satan versucht, Zweifel an Gottes Gerechtigkeit und Güte zu säen und den Menschen ihre Wertlosigkeit vor Augen zu führen. Er stellt Gott als unerreichbaren Richter dar, der selbst mit den Engeln unzufrieden ist, und die Menschen als wertlos und unwürdig. Diese Darstellung zielt darauf ab, die Menschen von Gott zu entfremden und ihren Glauben zu erschüttern.

Ein weiteres Indiz für die wahre Natur dieses Geistes liegt in seiner Anonymität. In der gesamten Bibel treten Engel und andere göttliche Boten stets erkennbar auf und werden ausdrücklich als solche benannt. Ihre Botschaften bringen Klarheit, Trost und göttliche Weisung. Dieser Geist hingegen bleibt verborgen und spricht in einem Ton, der Verwirrung und Zweifel sät. Er löst zudem Angst aus: „Da überfiel mich ein Schrecken und Zittern, sodass alle meine Glieder erbebten. Ein Hauch streifte mein Gesicht, und mir sträubten sich die Haare.“

Diese Angst unterscheidet sich von anderen himmlischen Begegnungen in der Bibel. In solchen Fällen empfinden Menschen Ehrfurcht und Furcht, da die himmlischen Wesen offenkundig von Gott gesandt sind und eine erhabene, machtvolle Präsenz ausstrahlen. Sie sehen und spüren die Autorität Gottes, die von ihnen ausgeht. Ganz anders ist es jedoch bei dem Geist, dem Eliphas begegnet: Seine Berührung löst keine heilige Ehrfurcht aus, sondern Todesangst.

Diese Beschreibung passt zu den Charakterzügen Satans, wie sie in der Bibel dargelegt werden. Satan wird als Vater der Lüge beschrieben, der Verwirrung stiftet und Zwietracht sät. Jesus sagt in Johannes 8,44: „Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach den Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Er war ein Menschenmörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, denn Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er lügt, spricht er aus seinem eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge.“

Zudem wird Satan in 1. Petrus 5,8 als zerstörerischer Geist beschrieben: „Seid nüchtern und wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann.“ Seine Absicht ist es, Angst, Unsicherheit und Zweifel zu säen, um Menschen von Gott zu trennen. Auch in 2. Korinther 11,14 heißt es: „Denn er selbst, der Satan, verkleidet sich als Engel des Lichts.“ Diese Täuschung passt zu dem Geist, der Eliphas erscheint und durch seine Worte Verwirrung und Furcht verbreitet.

In Hiob 5,3-5 sagt Eliphas:

„Ich selbst habe einen Toren Wurzeln schlagen sehen; aber sogleich verfluchte ich seine Wohnung. Seine Kinder sind fern vom Heil, sie werden im Tor zermalmt, und kein Retter ist da. Seine Ernte verzehrt der Hungrige, und selbst aus den Dornen holt er sie heraus, und nach seinem Gut dürstet der Gierige.“

Eliphas wurde in seiner Rede von Satan manipuliert. Satan hatte in Hiob 1,9-11 Hiob vor Gott angeklagt, dass er nur aus Eigennutz treu sei. Er nutzte Eliphas als Werkzeug, um diese falsche Sichtweise zu verbreiten. Eliphas' Worte, in denen er Hiob als Tor bezeichnet und seine „Wohnung verflucht“, spiegeln Satans Anklage wider. Des Weiteren was die Anklage, also die Verfluchung vor Gott, verursacht hat, nämlich die Zerstörung von Hiobs Hab und Gut.

Eliphas spricht das aus, was Satan ihm in den Mund legt: dass Hiobs Leiden die Folge von Sünde und Torheit sei. Eliphas wird so zum Sprachrohr Satans, ohne sich der wahren Quelle seiner Gedanken bewusst zu sein.

Am Ende des Buches wird deutlich, dass Hiobs Freunde sich schuldig gemacht haben, indem sie falsche Aussagen über Gott gemacht und Hiob mit ihrem ungerechten Rat weiter belastet haben. Ihre Reden, die oftmals hart und ungerecht waren, zeigen den Einfluss Satans, der durch sie spricht. Dieses falsche Urteil über Hiob wird später von Gott korrigiert, der Eliphas und die anderen Freunde zurechtweist.

Hiob hingegen wird von Gott selbst gerechtfertigt, und seine Freunde müssen Buße tun, um Vergebung zu erhalten. Dies unterstreicht, dass Satan nicht nur physisch und emotional gegen Hiob vorgegangen ist, sondern auch geistig, indem er durch Manipulation und Lügen versuchte, Hiob zu Fall zu bringen.

Insgesamt zeigt die Vision von Eliphas, wie Satan subtil und effektiv arbeitet. Nachdem er Hiobs äußere Welt zerstört hatte, konzentrierte er sich auf das, was er am besten kann: die Manipulation von Gedanken und die Verbreitung von Zweifeln. Durch die Abwertung der Menschen und die Anklage gegen die Engel strebt er an, Gott in Frage zu stellen und die Beziehung zwischen Gott und den Menschen zu vergiften. Seine Worte in Hiob 4,12-21 sind ein direkter Ausdruck dieser Taktik und offenbaren, wie tief Satans Einfluss im Buch Hiob reicht. Hiob 5 könnte man sogar dahingehend interpretieren, dass sich Satan indirekt lustig macht über Hiob.

Viele Gelehrte vertreten die Ansicht, dass Satan im Buch Hiob nur eine untergeordnete Rolle spielt. Sie betrachten ihn lediglich als Werkzeug zur Belehrung Hiobs und heben hervor, dass er nach der Schilderung, wie er Hiob mit Geschwüren schlägt, nicht mehr erwähnt wird. Doch wie wir hier erkennen, entspricht dies nicht der Wirklichkeit.

Ein genauer Blick auf das Buch Hiob offenbart zudem, dass Gott seiner wohl mächtigsten Schöpfung einen ausführlichen Abschnitt gewidmet hat. Mehr dazu im Kapitel Satans Alter Ego: Leviathan.

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