PRÄDESTINATION VERSTEHEN WOLLEN IST WIE GOTT VERSTEHEN WOLLEN


Lange habe ich überlegt, ob ich mich an das Thema Prädestination wagen soll oder nicht. Schließlich habe ich mich entschieden, es anzusprechen, jedoch auf eine neutrale und überlegte Weise.

Wenn es um das Thema Prädestination geht, denken viele sofort an Johannes Calvin, den Reformator der französischen Schweiz. Er wird oft als der „Buhmann“ der Reformation bezeichnet, weil er sogar die Lehre von der doppelten Prädestination predigte: Gott habe von der Grundlegung der Welt an festgelegt, wen er zum Heil führt und wen er für die Ewigkeit in die Hölle verbannt.

Was die Reformatoren betrifft, finde ich, dass ihnen oft zu wenig Respekt entgegengebracht wird. Für mich waren sie Helden – Männer, die sich gegen die „große Hure“ stellten. Zu einer Zeit, als diese Hure, also die katholische Kirche, mit der vollen Macht quälen, rädern, vierteln oder lebendig verbrennen konnte, wer gegen ihre „satanische Irrlehre“ predigte. Denn zu jener Zeit hatte sie faktisch die absolute Macht.

Ulrich Zwingli, der Reformator der Deutschschweiz, starb im Kampf gegen die Katholiken. Auf Martin Luther wurde ein Kopfgeld ausgesetzt, und er musste sich verstecken, weil er es gewagt hatte, das Wort Gottes ins Deutsche zu übersetzen. William Tyndale übersetzte die Bibel ins Englische und wurde dafür von der Kirche verbrannt. Zuerst erwürgt und dann auf dem Scheiterhaufen als Ketzer verbrannt – all dies nur, weil er das Wort Gottes zugänglich machen wollte.

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, wie stark der Glaube dieser Männer war und welchen hohen Preis sie für die Verbreitung des Evangeliums bezahlten. Sie hatten den Mut, gegen die damals allmächtige Kirche und ihre Lehren aufzustehen.

Wenn du mehr über die satanische Irrlehre der Hure erfahren willst empfehle ich das Kapitel über die katholische Kirche.

Link: Katholische Kirche


Die Reformatoren waren wichtig!

Mir ist vor allem wichtig, dass man die Reformatoren nicht auf ein paar wenige Attribute reduziert, sondern anerkennt, dass sie einen großen Einfluss auf die Reformation und die Verbreitung von Gottes Wort hatten. Alle Reformatoren waren tiefgläubige Menschen, die das Christentum maßgeblich geprägt haben, nicht zuletzt auch durch unzählige Schriften und Lehren. Ihre Werke waren nicht bloß theologische Abhandlungen, sondern auch mutige Aufrufe zu persönlicher, gesellschaftlicher und kirchlicher Veränderung.

Sie setzten sich dafür ein, die Bibel und die christliche Botschaft allen zugänglich zu machen, oft unter Gefahr für ihr eigenes Leben. Die Übersetzungen von Luther und Tyndale machten die Heilige Schrift für Millionen von Menschen verständlich, während Calvin und Zwingli neue Formen von Gottesdiensten und Gemeindeorganisationen schufen, die bis heute Einfluss haben. Ihre Schriften – ob es Luthers „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, Calvins „Institutio Christianae Religionis“ oder Tyndales Verteidigung der Bibelübersetzung war – sind tiefgehende Werke, die nicht nur theologischen, sondern auch gesellschaftlichen und kulturellen Wandel bewirkten. Reformatoren wie diese waren Vorbilder an Mut, Hingabe und geistlichem Eifer, deren Wirken die Grundfesten der christlichen Welt nachhaltig veränderte und eine neue Ära des Glaubens einleitete.


Johannes Calvin (1509–1564) war ein französischer Theologe und Reformator, dessen Lehren, bekannt als Calvinismus, die protestantische Reformation tiefgreifend beeinflussten. Er betonte die Souveränität Gottes, die Prädestination und die Bibel als alleinige Autorität, während er einfache Gottesdienste und strenge moralische Disziplin propagierte. Genf wurde unter Calvins Führung zum Zentrum der Reformation, und die von ihm gegründete Genfer Akademie bildete zahlreiche Missionare und Prediger aus. Seine Ideen verbreiteten sich in Frankreich unter den Hugenotten, in Schottland durch John Knox und in den Niederlanden, wo sie den Freiheitskampf gegen Spanien beeinflussten. Auch die Puritaner brachten den Calvinismus nach Nordamerika, während missionarische Bewegungen ihn später nach Afrika und Asien trugen. Calvins Betonung von Bildung, Arbeitsethik und moralischer Ordnung prägte nicht nur die Religion, sondern auch politische und gesellschaftliche Strukturen nachhaltig.


Martin Luther (1483–1546) war ein deutscher Theologe und der zentrale Akteur der protestantischen Reformation, die er mit seinen 95 Thesen von 1517 auslöste. Er wandte sich gegen den Ablasshandel und forderte die Rückkehr zu einer auf der Bibel basierenden Glaubenslehre, betonte „Sola Scriptura“ (allein die Schrift) und „Sola Fide“ (allein durch Glauben). Luthers Bibelübersetzung ins Deutsche machte die Heilige Schrift einer breiten Bevölkerung zugänglich und förderte die Entwicklung der deutschen Sprache. Seine Ideen verbreiteten sich dank der Druckerpresse rasant in Europa und fanden Anhänger in Fürsten und Städten, was zur Entstehung des Luthertums führte. Luthers Einfluss führte zur Spaltung der westlichen Kirche, zu tiefgreifenden politischen und religiösen Umwälzungen und legte den Grundstein für die moderne protestantische Theologie.


Huldrych Zwingli (1484–1531) war ein Schweizer Theologe und einer der führenden Reformatoren der protestantischen Reformation. In Zürich leitete er ab 1519 umfassende kirchliche und gesellschaftliche Reformen ein, die auf der Bibel als alleiniger Autorität basierten. Er kritisierte den Ablasshandel, die Verehrung von Heiligen und die Zölibatspflicht und führte einfache Gottesdienste sowie eine klare Trennung zwischen weltlicher und kirchlicher Macht ein. Zwinglis Lehren verbreiteten sich in der Schweiz und beeinflussten die Reformation in Süddeutschland, blieben jedoch in Konflikt mit Luthers Ansichten, insbesondere in der Abendmahlslehre. Sein Wirken führte zur Gründung reformierter Kirchen und prägte den Protestantismus in der Schweiz nachhaltig. Zwingli starb 1531 im Zweiten Kappelerkrieg im Kampf gegen katholische Kräfte, blieb jedoch eine zentrale Figur der Reformation.


William Tyndale (1494–1536) war ein englischer Theologe und Reformator, der maßgeblich zur Verbreitung der Reformation in England beitrug. Er war der erste, der das Neue Testament direkt aus dem Griechischen ins Englische übersetzte, um die Bibel der breiten Bevölkerung zugänglich zu machen, und schuf so eine Grundlage für spätere englische Bibelausgaben wie die King-James-Bibel. Seine reformatorischen Ideen, darunter die Ablehnung der katholischen Hierarchie und die Betonung von „Sola Scriptura“, brachten ihn in Konflikt mit der Kirche und der Krone. Nach seiner Verhaftung in Antwerpen wurde er 1536 als Ketzer in Belgien hingerichtet, indem er erdrosselt und anschließend verbrannt wurde. Tyndales Werk beeinflusste die englische Reformation nachhaltig und machte ihn zu einem Märtyrer für den Protestantismus.


All die grossen Reformatoren beschäftigten sich mit der Prädestination

Martin Luther

Luther glaubte an die Vorbestimmung (Prädestination), jedoch war sein Fokus weniger auf der detaillierten Theologie dieser Lehre, sondern mehr auf der Rechtfertigung des Sünders allein durch den Glauben an Christus. In seinem Werk „De Servo Arbitrio“ („Über die Unfreiheit des Willens“) argumentierte Luther, dass der Mensch durch die Sünde völlig unfähig sei, sich selbst zu erlösen, und dass die Erlösung allein durch Gottes Gnade, nicht durch menschliche Entscheidung, kommt. Doch er stellte keine so präzisen Theorien zur Prädestination auf wie Calvin.


Johannes Calvin

Calvin entwickelte eine sehr klare und zentrale Lehre von der doppelten Prädestination, die zu einem der Schlüsselaspekte des Calvinismus wurde. Er glaubte, dass Gott vor der Erschaffung der Welt bestimmte, wer gerettet und wer verdammt würde. Diese Entscheidung war nicht durch das Verhalten oder die Entscheidung des Menschen beeinflusst, sondern durch Gottes souveräne Wahl. In seinem Werk „Institutio Christianae Religionis“ formulierte er seine Lehre, dass Gott die Auserwählten „vor der Grundlegung der Welt“ erwählte, während diejenigen, die nicht auserwählt sind, verloren gehen.


Huldrych Zwingli

Zwingli hatte eine ähnliche, aber weniger systematische Auffassung der Prädestination als Calvin. Auch er glaubte an die souveräne Wahl Gottes, wobei er jedoch weniger ins Detail ging, als es Calvin tat. Zwingli verwarf die Idee einer bedingten Prädestination (die auf den Werken der Menschen basierte) und unterstützte die Vorstellung, dass Gott in seiner Gnade und Vorsehung das Schicksal der Menschen vorbestimmt hatte. Zwinglis Lehren zur Prädestination waren daher eher minimalistisch, aber er teilte mit Calvin die Ansicht, dass Gott absolut souverän in seiner Wahl war.


William Tyndale

Tyndale beschäftigte sich ebenfalls mit der Prädestination, allerdings in einem Kontext, der stark mit seiner Betonung der Bibelübersetzung und der persönlichen Beziehung zu Gott verbunden war. Tyndale glaubte an die göttliche Vorsehung, dass Gott die Gläubigen vor der Weltgrundlegung erwählt hatte, doch auch bei ihm lag der Schwerpunkt stärker auf dem Glauben an Christus und der Rechtfertigung durch den Glauben, weniger auf einer detaillierten, theologisch ausgearbeiteten Lehre von der Prädestination. In seinen Schriften betonte er die Bedeutung der Bibel und der persönlichen Verantwortung des Gläubigen.


Katholische Kirche

Die katholische Kirche bekennt sich zur Lehre der Prädestination, betont dabei jedoch, dass sie nicht in einem deterministischen Sinn zu verstehen ist, der den freien Willen des Menschen ausschließt. Nach katholischer Auffassung hat Gott von Ewigkeit her einen Plan der Erlösung, in dem er bestimmte Menschen vorherbestimmt, das ewige Heil zu erlangen, doch geschieht dies in Übereinstimmung mit ihrer freien Entscheidung und ihrer Zusammenarbeit mit seiner Gnade. Gleichzeitig lehnt die Kirche die Vorstellung einer doppelten Prädestination ab, nach der Gott manche Menschen unwiderruflich zur Verdammnis vorherbestimmen würde, da dies mit seiner universalen Liebe und Gerechtigkeit unvereinbar wäre. Stattdessen wird betont, dass alle Menschen von Gott zum Heil berufen sind, jedoch durch eigene Schuld diese Berufung ablehnen können. Das Zusammenspiel zwischen Gottes Gnade und menschlicher Freiheit bleibt ein tiefes Geheimnis, das der Verstand nicht vollständig erfassen kann, aber im Glauben als Ausdruck der unendlichen Weisheit und Liebe Gottes angenommen wird.


Zusammengefasst

Wie man sieht haben sich alle wichtigen Vertreter der Kirchen mit der Prädestination befasst. Sie existiert und ist ein Thema sowohl im alten als auch im neuen Testament.

Und alle großen theologischen Systeme – sei es das der Reformatoren oder der katholischen Kirche – scheinen in gewissen Punkten richtig zu liegen, während sie in anderen Bereichen kritisiert werden können. Zu fast jeder Lehrmeinung lassen sich Bibelverse finden, die entweder als Bestätigung oder als Widerspruch interpretiert werden können.


Kein Mensch wird jemals Gottes Wort vollumgänglich verstehen können!

Davon bin ich überzeugt: Es kommt zu Fehlinterpretationen. Doch es ist die Pflicht eines Christen, in tiefer Zusammenarbeit mit Gott die Wahrheit seines Wortes zu suchen.


Super logisch auf den ersten Blick, aber doch verrannt

Ein besonders anschauliches Beispiel hierfür ist die Dordrechter Lehrformel, die auf der Synode von Dordrecht (1618–1619) als theologische Grundlage des reformierten Calvinismus formuliert wurde.

Sie besticht durch eine klare, sachliche Struktur und untermauert ihre Aussagen mit zahlreichen Bibelstellen. Besonders hervorzuheben ist die detaillierte Argumentation für die Lehre der doppelten Prädestination, nach der Gott von Ewigkeit her bestimmte Menschen zum Heil und andere zur Verdammnis vorherbestimmt hat.

Wer die Position der Calvinisten zu diesem Thema wirklich verstehen möchte, sollte sich ernsthaft mit der Dordrechter Lehrformel auseinandersetzen, bevor er vorschnell den Vorwurf einer oberflächlichen Irrlehre erhebt. Dieses Dokument ist wesentlich, um die theologische Tiefe und die biblischen Bezüge der calvinistischen Sichtweise angemessen einordnen zu können.

Zu behaupten, dass darin alles falsch sei, wäre vermessen. Dennoch halte ich dafür, dass sich Calvin in seiner Lehre verrannt hat.


Warum der Widerstand gegen Calvins Lehre so gross ist

Ich möchte hier ein Kapitel auf dieser Seite ans Herz legen:

Link: Ewige Verdammung: Ein Overkill seitens Gottes?

In diesem Kapitel wird dargelegt, dass Gott kein menschliches Wesen ist und grundsätzlich anders handelt als wir. Er ist heilig – vollkommen, abgesondert und unerreichbar in seiner Reinheit.

Das Hauptproblem vieler Kirchen und Gemeinden unserer Zeit ist ein sogenannter Wohlfühl-Gospel. Dabei wird Jesus häufig zu einer Art Hippie-Propheten reduziert, der angeblich nur Liebe, Freude und Harmonie gepredigt habe – ein „Gott der Liebe“, der scheinbar nichts mit dem Gott des Alten Testaments gemein hat.

Doch genau hier liegt der fundamentale Irrtum: Jesus ist der Gott des Alten Testaments. Als Teil der göttlichen Dreieinigkeit war er von Anfang an da. Er ist das Wort, durch das alles geschaffen wurde (vgl. Johannes 1,1–3). Er war es, der Adam und Eva verurteilte, die Sintflut über die Welt brachte, Sodom und Gomorra zerstörte, das Herz des Pharao verhärtete und den Engel des Verderbens aussandte, um die Erstgeborenen Ägyptens zu töten. Er war es auch, der den Israeliten befahl, die kanaanitischen Völker auszurotten – ein Gebot, das nicht willkürlich, sondern begründet war: Diese Völker dienten falschen Göttern, folgten somit letztlich Satan, und ihre Blutlinien waren durch gefallene Engel entweiht (vgl. 1. Mose 6,1–4).

Jesus ist das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende, der ewige Gott und Schöpfer des Kosmos (vgl. Offenbarung 22,13). Und er hat kein Problem damit, Menschen in die ewige Verdammnis zu senden, wenn sie sich bewusst gegen ihn entscheiden. Tatsächlich sprach Jesus mehr über die Hölle als über das Himmelreich. Doch gerade diese Realität wird heute zunehmend geleugnet oder relativiert.

Weil diese biblischen Wahrheiten aus Feigheit oder bewusster Verfälschung nicht mehr gepredigt werden, fehlt vielen Christen heute das Verständnis dafür, wie ein alliebender Gott Menschen zum Heil oder zur Verdammnis bestimmen könnte – wie es etwa Johannes Calvin lehrte. 

Ja, die Existenz der Hölle selbst, als biblische Tatsache, wird von vielen, die dem Wohlfühlgospel anhängen, nicht mehr ertragen. Sie ist unvereinbar mit ihrem Gottesbild.

Doch die Wurzel dieses Unverständnisses liegt tiefer: Viele Menschen haben Schwierigkeiten mit bestimmten Lehren der Bibel, weil sie einem falschen Bild vom christlichen Glauben folgen – einem Bild, das von menschlichen Maßstäben und Emotionen geprägt ist, nicht von der Offenbarung Gottes.

In diesem Zusammenhang ist ausdrücklich zu betonen: Das Verständnis der Trinität ist eine zentrale Voraussetzung für ein richtiges Erfassen der Heiligen Schrift. Ohne diese Erkenntnis bleibt der Zusammenhang zwischen Altem und Neuem Testament, zwischen Gottes Gerechtigkeit und seiner Liebe, zwischen Gericht und Gnade weitgehend verborgen. Nur wer erkennt, dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist ein Gott sind, kann die Tiefe und Einheit der Bibel wirklich begreifen.

Und die Bibel sagt klar:

„Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“

(Hebräer 10,31)


Martin Luthers Lehre über die Prädestination

Martin Luther untersagte seiner Gemeinde, die Absichten hinter der doppelten Prädestination zu ergründen – ein Gebot, das ich für sehr weise halte. Natürlich darf und sollte man sich mit dieser Lehre kritisch auseinandersetzen. Tatsächlich wird sich jedem, der die Bibel aufmerksam liest, früher oder später diese Frage stellen.

Luthers Auffassung zur Prädestination lautete sinngemäß:

Wenn wir das Evangelium hören, daran glauben und gerettet werden, so verdanken wir dies allein der freien Gnade Gottes. Wenn wir jedoch nicht glauben, im Unglauben verharren und verloren gehen, so liegt die Schuld ausschließlich bei uns selbst.

Wie man sieht, hatte auch Martin Luther keine abschließende Antwort auf dieses theologische Spannungsfeld. Er akzeptierte sowohl die göttliche Erwählung als auch die Verantwortung des Menschen – zwei Pole, die sich aus menschlicher Sicht schwer in Einklang bringen lassen.

Ein wahrhaft Gläubiger nimmt das Wort Gottes als höchste Autorität an. Er versucht nicht, es zu relativieren oder an den Zeitgeist anzupassen, nur weil es nicht mit populären Meinungen übereinstimmt. Das ist ein wesentlicher Aspekt geistlichen Wachstums: Gott kann nur mit einem Menschen wirken, der bereit ist, die Bedingungen anzunehmen, die er in seinem Wort offenbart hat.

Dazu gehört auch die Bereitschaft, gewisse Dinge in Gottes Hand zu lassen. Manche Wahrheiten übersteigen unser Verstehen – doch gerade darin zeigt sich Gottes Liebe zur Schöpfung. Wir dürfen darauf vertrauen, dass alles nach seinem vollkommenen Plan geschieht. Dies setzt Vertrauen in seine Gerechtigkeit und seine Weisheit voraus.

Der Prophet Jesaja bringt dies in eindrucksvollen Worten zum Ausdruck:

„Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken,

und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR.“

(Jesaja 55,8)


Aber was stimmt denn nun wirklich?

Hier ist meine Sichtweise:

Der Mensch besitzt einen freien Willen. Er muss sich in diesem Leben bewusst für Jesus entscheiden – andernfalls erwartet ihn die ewige Trennung von Gott, die Verdammnis in der Hölle.

Prädestination existiert, allerdings nicht in der radikalen Form, wie sie Calvin dargestellt hat. In der Bibel sehen wir, dass bestimmte Menschen von Gott prädestiniert wurden, um seinen Heilsplan voranzubringen – etwa die Apostel oder die Jungfrau Maria. Das bedeutet: Gott hat sie mit einem bestimmten Zweck erschaffen.

Gott jedoch erschafft nicht das Böse. Und er prädestiniert auch niemanden zur Hölle. Er ist allerdings der Verursacher von Unheil – das heißt, er gebraucht böse Menschen, um zu strafen oder Gericht zu üben. Diese Menschen wiederum werden ihrerseits am Ende gerichtet.

Das Thema ist komplex und wird ausführlich in den folgenden Kapiteln auf dieser Seite behandelt:

Warum lässt Gott das Böse zu?

Gefäße des Zorns: Wie Gott böse Menschen neu zubereitet

Unheil ist nicht das Böse und keine Sünde

Ich bin überzeugt: Nach der Lektüre dieser drei Kapitel wird deutlich, wie Gott handelt – und dass er dabei stets gerecht und fair bleibt. Besonders das Kapitel „Gefäße des Zorns“ widerlegt die calvinistische Lehre der doppelten Prädestination in wesentlichen Punkten.


Wir dürfen sicher sein, dass Gott nur das Beste für uns im Sinn hat, auch wenn wir dies nicht immer sofort verstehen. Gott kennt die Zukunft und weiß besser als wir, was für uns gut und richtig ist. Er handelt immer aus Liebe und Weisheit. Deshalb können wir auch die Zusicherung annehmen, dass er uns niemals schaden wird:

„Denn ich weiß, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Unheils, um euch eine Zukunft und eine Hoffnung zu geben.“

(Jeremia 29,11)

„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach seinem Plan berufen sind.“

(Römer 8,28)

„Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist; wohl dem, der auf ihn vertraut.“

(Psalm 34,9)

„Wenn nun schon ihr, obwohl ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten!“ (Matthäus 7,11)

„Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu verderben; ich aber bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“

(Johannes 10,10)

„Alle gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist, noch ein Schatten durch Wechsel.“

(Jakobus 1,17)

„Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf grünen Auen und führt mich zu stillen Wassern.“

(Psalm 23,1-2)


Gott ist nicht nur gut, sondern auch vollkommen gerecht. In seiner Gerechtigkeit und Fairness wird er die Welt richten, ohne auch nur den kleinsten Fehler zu machen. Es ist der Gott der Gerechtigkeit, der mit Unfehlbarkeit und Aufrichtigkeit handelt:

„Er wird die Welt richten in Gerechtigkeit und die Völker in Aufrichtigkeit.“

(Psalm 9,8)

„Denn der Herr ist gerecht; er liebt Gerechtigkeit; die Aufrichtigen werden sein Angesicht schauen.“

(Psalm 11,7)

„Der Fels, vollkommen ist sein Werk, denn alle seine Wege sind recht; ein treuer Gott, der keine Unrecht tut, gerecht und aufrichtig ist er.“

(5. Mose 32,4)

„Darum wird der Herr warten, um euch gnädig zu sein, und sich erheben, um sich über euch zu erbarmen. Denn der Herr ist ein Gott des Rechts; wohl allen, die auf ihn warten.“

(Jesaja 30,18)

Seine Gerechtigkeit ist auch eine Quelle der Hoffnung für uns, denn er wird jedem Menschen gerecht nach seinen Werken vergelten. Für die, die auf ihn vertrauen, wird er das Gute zuteilwerden lassen, und für diejenigen, die dem Bösen verfallen, wird es die gerechte Strafe geben:

„Er wird jedem vergelten nach seinen Werken: den einen mit ewiger Lebensherrlichkeit, die im Ausharren in Gutem Gott verherrlichen; den anderen aber mit Zorn und Wut, die dem Bösen verfallen.“

(Römer 2,6-7)

„Es ist gerecht bei Gott, denen, die euch drangsalieren, Drangsal zu vergelten, euch aber, die ihr bedrängt werdet, Erleichterung zu verschaffen mit uns, wenn der Herr Jesus von Himmel her offenbart wird mit den Engeln seiner Macht.“

(2. Thessalonicher 1,6-7)

„Und ich hörte den Altar sagen: Ja, Herr, Gott, der Allmächtige, wahrhaftig und gerecht sind deine Gerichte!“

(Offenbarung 16,7)

„Er wollte in seiner Geduld zeigen, dass er gerecht ist, indem er der Sünde straft, und dass er gerecht bleibt, indem er den rechtfertigt, der durch den Glauben an Jesus lebt.“

(Römer 3,26)

Gott handelt stets gerecht und zeigt uns durch seine Taten, dass seine Gerechtigkeit perfekt und für alle Menschen immer der beste Weg ist.

Wir müssen nicht alles verstehen. Wir dürfen aber darauf vertrauen, dass alles seine Richtigkeit hat.

Diese Webseite verwendet Cookies. Hier kannst du auswählen, welche Cookies du zulassen willst und deine Auswahl jederzeit ändern. Klickst du auf 'Akzeptieren', stimmst du der Verwendung von Cookies zu.