Breacher-Dämon – Die Sünde an der Tür
Noch nie vom Breacher-Dämon gehört? Kein Problem – wahrscheinlich gibt es ihn in Wirklichkeit auch nicht. Der Begriff ist von mir.
Dennoch veranschaulicht er ein geistliches Prinzip, das viele übersehen. Genau deshalb sündigen wir manchmal, obwohl wir augenscheinlich alles tun, was die Bibel sagt, um Sünde zu vermeiden.
Im nächsten Kapitel dieser Reihe: „Der ultimative Kampfplan zur Verhinderung der Sünde: Dein Part – Satans Part“, wird detailliert darauf eingegangen, welcher Anteil bei uns liegt und welcher bei Satan – und was jeweils verhindert werden muss. Interessanterweise ist dieses Kapitel, obwohl es thematisch das erste zu diesem Thema wäre, das letzte, das ich in dieser Reihe geschrieben habe – die neueste Erkenntnis zum Thema Sünde sozusagen.
Was bedeutet der Begriff „Breacher“?
In polizeilichen Spezialeinheiten gibt es die Funktion des sogenannten Breachers. Dieser trägt meist einen Rammbock oder ein ähnliches Werkzeug und ist dafür zuständig, verschlossene Türen aufzubrechen. In dem Moment, in dem die Tür nachgibt, stürmen die anderen Einsatzkräfte unmittelbar in den Raum.
Dieses Bild hilft, das geistliche Prinzip zu verstehen: Die Sünde wartet nicht offen im Raum – sie lauert an der Tür. Und wenn sie erst einmal durchgebrochen ist, folgt alles Weitere sofort nach.
Kains Brudermord – Ein Prinzip der geistlichen Kriegsführung
«Und es geschah nach geraumer Zeit, dass Kain dem HERRN ein Opfer darbrachte von den Früchten des Erdbodens.
Und auch Abel brachte ein Opfer dar von den Erstlingen seiner Schafe und von ihrem Fett. Und der HERR sah Abel und sein Opfer an;
aber Kain und sein Opfer sah er nicht an. Da wurde Kain sehr wütend, und sein Angesicht senkte sich.
Und der HERR sprach zu Kain: Warum bist du so wütend, und warum senkt sich dein Angesicht?
Ist es nicht so: Wenn du Gutes tust, so darfst du dein Haupt erheben? Wenn du aber nicht Gutes tust, so lauert die Sünde vor der Tür, und ihr Verlangen ist auf dich gerichtet; du aber sollst über sie herrschen!»
(Genesis 4:3)
Personifizierte Sünde?
Die Sünde scheint hier fast schon personifiziert zu sein, nicht wahr? Das ist nicht die Sünde, die in uns lebt und das Fleisch verdirbt, wie im Neuen Testament beschrieben, sondern eine Art extern wirkende Kraft.
„Denn was dem Gesetz unmöglich war – weil es im Fleisch kraftlos war –, das tat Gott: Er sandte seinen eigenen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde wegen und verurteilte die Sünde im Fleisch.“
(Römer 8,3)
Ein englischer Text über das Einfügen des Wortes Dämon in Genesis 4
Da ich die überwiegend im britischen Sprachraum verwendete Revised English Bible (Revision von 1989 der New English Bible von 1972) schon länger nicht mehr vollständig gelesen hatte, dachte ich, ich könnte sie im Rahmen meiner morgendlichen Bibellese nach und nach wieder durchgehen. Da die REB – wie schon die NEB vor ihr – oft einen etwas stärkeren literarischen Charakter hat als andere, stärker verbreitete Übersetzungen, habe ich mir vorgenommen, dieses Mal beim Lesen ein paar Notizen zu Formulierungen und Wendungen zu machen, die besonders hervorstechen. Wenn es die Zeit erlaubt, werde ich hier kurze Beiträge zu den interessanteren Beispielen veröffentlichen.
Heute Morgen ist mir in Genesis 4 die Einfügung des Wortes Dämon in Vers 7 aufgefallen:
„Wenn du recht handelst, kannst du den Kopf erheben; wenn nicht, ist die Sünde ein Dämon, der an der Tür lauert. Er begehrt dich, doch du sollst über ihn herrschen.“
Der Kontext dieses Verses betrifft den Konflikt zwischen Kain und Abel. Nachdem beide ihre Gaben JHWH dargebracht haben, wird Abels Gabe angenommen, Kains jedoch zurückgewiesen. Die REB liest hier: „Kain wurde rasend vor Zorn und blickte finster drein“ (4,5). Finstere Blicke werfen ist hier ein sehr anschaulicher Ausdruck: „einen wütenden oder mürrischen Gesichtsausdruck haben; finster schauen, böse blicken“ (New Oxford American Dictionary). JHWH reagiert auf Kain mit den Fragen: „Warum bist du zornig? Warum schaust du so finster?“ (4,6), und spricht dann die Worte in Vers 7, die ich oben zitiert habe.
Ich fand diese Formulierung bemerkenswert. Ohne das Wort Dämon ist die Sünde lediglich als ein allgemeiner, personifizierter Feind dargestellt, der im Verborgenen lauert und darauf wartet, uns (vielleicht sogar buchstäblich) zu Fall zu bringen. Die Hinzufügung eines Dämons in der REB ist weiterhin eine Personifikation der Sünde, verleiht ihr jedoch einen deutlich dunkleren, bösartigeren Charakter.
Ich war neugierig, ob es irgendeine textliche Grundlage für die Aufnahme des Wortes Dämon gibt, konnte jedoch zunächst weder im Hebräischen noch in Varianten einen klaren Anhaltspunkt dafür finden. Obwohl ich keine erschöpfende Suche durchgeführt habe, habe ich das Wort Dämon in keiner gängigen Übersetzung gefunden – mit Ausnahme der älteren New English Bible, auf der die REB basiert. Allerdings taucht es in der Übersetzung von E. A. Speiser im Anchor Bible Commentary zu Genesis (1983) auf:
„Gewiss, wenn du recht handelst, sollte es Erhebung bedeuten. Wenn aber nicht, ist die Sünde der Dämon an der Tür, dessen Verlangen auf dich gerichtet ist; doch du kannst sein Herr sein.“
Speiser verteidigt seine Verwendung von Dämon in Gen 4,7 in seinem Kommentar zu dieser Stelle (S. 33):
Der hebräische Stamm rbṣ bedeutet „lagern“ oder „kauern“. Ein entsprechendes Substantiv ist im Hebräischen sonst nicht belegt, wohl aber im Akkadischen als rābiṣum, eine Bezeichnung für einen „Dämon“. Diese Wesen wurden sowohl als wohlwollend als auch als bösartig beschrieben und lauerten häufig am Eingang eines Gebäudes, um die Bewohner entweder zu schützen oder zu bedrohen. Phonologisch entspräche rābiṣum, sowohl als Substantiv als auch als Partizip, im Hebräischen rōbēṣ. Das Adjektiv ist unabhängig belegt, das Substantiv jedoch nicht; es müsste hier als frühes Lehnwort aus dem Akkadischen verstanden werden. Gegen eine solche Ableitung spricht grundsätzlich nichts, zumal der Schauplatz der Erzählung noch in der Nähe von Eden liegt und die Hauptfigur sich schließlich „östlich von Eden“ niederlässt. Es wäre also der rōbēṣ, dessen „Verlangen“ auf Kain gerichtet ist, den Kain jedoch überwinden könnte, wenn er seine neidischen Impulse beherrschte – alles ausgedrückt in fehlerloser Syntax.
John H. Walton (ZIBBCOT, Genesis, S. 38) bietet eine kürzere Zusammenfassung dieser Argumente, verweist jedoch auch auf eine alternative Bedeutung von Verwalter oder Amtsträger, bevor er sich letztlich ebenfalls in Richtung Dämon neigt:
Eine Alternative ergibt sich, wenn man frühere akkadische Texte heranzieht, in denen der rabiṣu kein Dämon ist, sondern ein wichtiger Verwaltungsbeamter mit juristischer Funktion. In Ur-III-Texten war er für die Vorprüfung bei Gerichtsverfahren zuständig. In der Mitte des zweiten Jahrtausends zeigen Texte aus Amarna und Ugarit den rabiṣujeweils als lokalen Herrscher bzw. als wichtigen Zeugen bei Dokumenten oder Gerichtsverfahren. Dass der Text davon spricht, Kain beherrschen zu wollen, spricht jedoch eher für den rabiṣu als Dämon.
Ich habe noch einige weitere Kommentare konsultiert und festgestellt, dass mehrere von ihnen der Möglichkeit einer direkten Anspielung auf den rābiṣum, den „kauernden Dämon“, oder zumindest auf eine solche Vorstellung, Gewicht beimessen. Auch wenn gewisse religiöse Gruppen begeistert wären, hier einen zusätzlichen Dämon ins Spiel zu bringen, bleibt doch festzuhalten: Selbst wenn tatsächlich auf den kauernden Dämon Bezug genommen wird, dient dieses Bild beim Verfasser der Genesis weiterhin der Personifikation der Sünde. Er sagt uns: Die Sünde ist wie dieser alte Lauerschelm, der Rābiṣum, unsichtbar verborgen, bereit, uns im unpassendsten Moment zu Fall zu bringen. Deshalb müssen wir wachsam sein, damit wir ihn beherrschen, bevor er uns beherrscht.
Geistliche Kriegsführung: Vor der Begierde
Ob Dämon oder nicht – die in der Geschichte Kains beschriebene Sünde lauert.
Sie wartet in unserer Nähe, begehrt Einlass und strebt letztlich nach Kontrolle. Wie im englischen Übersetzungtext beschrieben, ist sie ein Vorprüfer. Ein Vortester und wenn man nachgibt wird die Türe aufgebrochen!
Aus der Perspektive der geistlichen Kriegsführung befinden wir uns hier noch vor dem Begierde-Sünde-Automatismus, den Jakobus beschreibt:
„Jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt wird.
Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde;
die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“
(Jakobus 1,14–15)
Demgegenüber steht Gottes Warnung an Kain:
„Ist es nicht so: Wenn du Gutes tust, darfst du dein Haupt erheben?
Wenn du aber nicht Gutes tust, so lauert die Sünde vor der Tür,
und ihr Verlangen ist auf dich gerichtet; du aber sollst über sie herrschen!“
(Genesis 4)
Der Kontext erklärt
Kain war wütend auf Abel, weil Gott Abels Opfer annahm, seines jedoch nicht. Er war eifersüchtig auf seinen Bruder. Die Erzählung sagt nicht ausdrücklich, warum Gott Kains Opfer ablehnte; vermutlich geschah es nicht aus einem reinen Herzen.
Wie dem auch sei: Ich möchte hier erklären, warum diese Geschichte aus der Sicht der geistlichen Kriegsführungzeitlich vor Jakobus 1,14 anzusiedeln ist.
Gott weiß, dass Kain dunkle Gedanken hegt, und spricht ihn genau an diesem Punkt an. Kain ist innerlich bereits voller Zorn. In seiner Vorstellung beginnt sich die Möglichkeit zu formen, seinen Bruder zu töten – auch wenn es noch nicht zur Tat kommt.
Damit der von Jakobus beschriebene Mechanismus greifen würde, müsste die Situation etwa so aussehen (fiktives Beispiel):
Der Brudermord wird für Kain zu einer realen, wenn auch noch umkämpften Option. Wut und Eifersucht sind stark. Er widersteht dem Impuls noch, ringt mit ihm – doch ein Teil von ihm beginnt, Gefallen an diesem Gedanken zu finden.
Kain weiß, dass Abel zum Schutz der Schafherde Pfeil und Bogen bei sich trägt und diese oft an einem Baum ablegt. Er versteckt sich hinter diesem Baum und erblickt den Bogen. Weil der Gedanke an den Brudermord bereits als Möglichkeit existiert, entsteht Begehren. Der Gegenstand beginnt ihn zu reizen und zu locken, bis die Begierde ihn vollständig übermannt. Er greift zu – und tötet schließlich seinen Bruder.
Genau hier würde Jakobus 1,14–15 einsetzen.
Doch Genesis 4 zeigt den Moment davor: den Punkt, an dem die Sünde noch draußen steht, an der Tür, und Kain noch die Möglichkeit hat, über sie zu herrschen. Gott fordert genau das von ihm:
„Ist es nicht so: Wenn du Gutes tust, darfst du dein Haupt erheben?
Wenn du aber nicht Gutes tust, so lauert die Sünde vor der Tür,
und ihr Verlangen ist auf dich gerichtet; du aber sollst über sie herrschen!“
(Genesis 4)
Gleichzeitig kommt hier auch 1. Korinther 10,13 ins Spiel:
„Es hat euch bisher nur menschliche Versuchung getroffen.
Gott aber ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet,
sondern wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen,
sodass ihr sie ertragen könnt.“
(1. Korinther 10,13)
Allzu oft überhören wir genau diese Option des Ausgangs. Ich bin überzeugt, dass der Heilige Geist sie uns klar aufzeigt – genau in dem Moment, in dem der sogenannte Breacher-Dämon Einlass sucht.
Um es nochmals klarzustellen: Wir stehen nicht vor etwas, das wir begehren. Wir betrachten es nicht lange und verzehren uns danach bis wir dieser Begierde schliesslich nachgeben. Wir befinden uns davor.
Etwas triggert uns – ein Gedanke, eine Situation, ein innerer Impuls – und wir beginnen, über die Möglichkeit einer bestimmten Sünde nachzudenken. Diese Sünde auszuführen erscheint uns attraktiv. Ob man diesen Moment nun „Breacher-Dämon“ nennt oder nicht, spielt letztlich keine Rolle. Die Option zur Sünde steht vor der Tür!
Wir geben dem Gedanken Raum, dass diese Sünde eine attraktive Option sein könnte. Ich habe festgestellt, dass genau in diesen Momenten, wenn ich zu Gott bete und ihn um Hilfe anflehe, sehr schnell eine alternative Option in meinen Gedanken auftaucht. Manchmal ist es etwas ganz Einfaches: den Ort zu verlassen, etwas Konstruktives zu tun, die Gedanken bewusst zu wechseln.
Was ich hier zur Diskussion stelle, ist Folgendes:
In dem Moment, in dem der Breacher-Dämon Einlass sucht, geh ins Gebet. Sag Gott ehrlich, dass die Option zu sündigen sich gerade attraktiv anfühlt und dass du Hilfe brauchst. Und sobald eine Lösung kommt – und glaub mir, sie kommt meist sehr schnell – handle danach. Was auch immer es ist.
Denn wenn wir das nicht tun, wird aus der attraktiven Option ein aktives Begehren im Kopf. Aus aktivem Begehren wird Handlung. Hat der Breacher erst Einlass erhalten, werden die Einflüsterungen stärker – und sie sind äußerst perfide:
„Schau doch nur, ob du es noch im Griff hast.“
„Nicht gleich sündigen – nur kurz schauen.“
Doch genau hier beginnt bereits die Sünde.
Denn: Du sollst nicht begehren.
Und aus der einten Sünde, entsteht die nächste.