Ein Widerspruch
Dies ist das letzte Kapitel des ultimativen Kampfplans zur Verhinderung der Sünde. Es gibt viele Dinge, die zur Sünde beitragen. Vieles kann bekämpft und durch richtiges Verhalten verhindert werden. Doch über diesem Kampf steht eine übergeordnete Wahrheit, die auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint:
Philipper 2,13 (Schlachter 2000):
„Denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt nach seinem Wohlgefallen.“
Bedeutung
Dieser Vers betont, dass nicht nur unsere guten Absichten („das Wollen“), sondern auch unsere Fähigkeit, diese umzusetzen („das Vollbringen“), letztlich von Gott selbst gewirkt sind. Es ist also nicht aus eigener Kraft, dass wir Gottes Willen tun können, sondern weil Gott selbst in uns wirkt.
Die Kapitel dieses Kampfplans wären nicht möglich gewesen, wenn ich Gott nicht um Weisheit im Gebet gebeten hätte. Das Wollen, mich mit Gottes Wort auseinanderzusetzen, war vor meiner Konversion schwach ausgeprägt. Jetzt ist es sehr stark. Dies bewirkt der Heilige Geist:
Hesekiel 36,26–27 (Schlachter 2000):
„Und ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres legen; und ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ja, ich will meinen Geist in euer Inneres legen und werde bewirken, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechtsbestimmungen bewahrt und tut.“
„Vertrau auf den Herrn mit ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand.“
Sprüche 3,5 (Schlachter 2000)
Wir sollten uns immer auf Gott verlassen und nicht auf uns selber
Wenn wir also versagen und wieder sündigen, sollten wir uns noch mehr auf Gott verlassen. Ihm unsere Sorgen übergeben, Ihn bitten, uns noch mehr zu verändern, uns zu unterstützen, uns zu stärken und uns die Versuchung erträglicher zu machen.
Psalm 18,32 (Schlachter 2000):
„Denn wer ist Gott außer dem HERRN, und wer ist ein Fels außer unserem Gott? Gott ist es, der mich mit Kraft umgürtet und meinen Weg unsträflich macht.“
Philipper 4,13:
„Ich vermag alles durch den, der mich stark macht: Christus.“
Gott will uns begleiten und schützen
Gott will den Weg mit uns gehen und uns unterstützen. Je mehr wir ihm vertrauen, desto mehr kann er uns verändern. Wir müssen nichts alleine tun. Und es ist Gott, der uns von Grund auf verändern kann und möchte, wenn wir es zulassen.
Jesaja 41,10 (Schlachter 2000):
„Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; sei nicht ängstlich, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“
Psalm 23,4:
„Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“
In Zeiten der eigenen Schwäche wirkt Gott besonders stark
Auch hier wieder ein vermeindlicher Widerspruch. Wenn wir Christen schwach sind. Wenig Widerstandskraft zeigen, sündigen, dann wirkt Gott am stärksten.
Der Apostel Paulus hatte mit einem Dämon zu kämpfen der ihm das Leben schwer machte:
2. Korinther 12,7 (Schlachter 2000):
„Und damit ich mich wegen der außerordentlichen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Pfahl (wörtlich: Stachel) für das Fleisch gegeben, ein Engel Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe.“
Pauls wurde von Gott gezüchtigt
Paulus spricht von einem „Pfahl im Fleisch“, einer Belastung, die ihm dauerhaft zu schaffen machte. Die Bibel nennt nicht genau, worum es sich handelt – es könnte eine körperliche Krankheit, eine innere Schwäche, seelische Not oder auch Verfolgung gewesen sein. Verschiedene Ausleger vertreten unterschiedliche Ansichten, doch das Entscheidende ist: Es war etwas Schmerzhaftes und Lästiges, das trotz wiederholtem Gebet nicht verschwand. Paulus bezeichnet diese Plage als „einen Engel Satans“, also als einen Boten des Widersachers, der ihn quält und schlägt. Dennoch erkennt er, dass Gott selbst die Zulassung dieses Angriffs in der Hand hat. Der Zweck dahinter ist klar: Damit Paulus sich nicht überhebt. Denn er hatte außergewöhnliche Offenbarungen und geistliche Einsichten empfangen, die leicht hätten dazu führen können, dass er sich selbst erhöht. Der Stachel im Fleisch diente ihm als dauerhafte Erinnerung, in allem auf Gottes Gnade angewiesen zu bleiben und nicht auf seine eigene Stärke zu vertrauen.
„Und er der Herr hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung.“
2. Korinther 12,9 (Schlachter 2000)
„Darum habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“
2. Korinther 12,10 (Schlachter 2000)
Hochmut kommt immer vor dem Fall
Auch hier zeigt sich wieder ein scheinbarer Widerspruch: Paulus hat Freude an seinen Schwächen. Warum? Weil er erkannt hat, dass gerade dann, wenn er selbst weniger wirken kann, Gott umso mehr Raum hat zu wirken. Seine Schwachheit hält ihn in der Abhängigkeit von Gott – und genau das ist seine Stärke. Er sieht seine Schwachheit nicht als Niederlage, sondern als Schutz vor Überheblichkeit. Und das, obwohl er natürlich weiß, dass Sünde nichts Gutes ist.
Gerade im Hinblick auf die Sünde ist dieses Kapitel – so unglaublich es auch klingen mag – vielleicht eines der wichtigsten. Es macht deutlich: Letztlich ist es Gott, der die Veränderung in uns wirkt. Unser Anteil daran ist vergleichsweise klein. Wir dürfen und sollen ihm unsere Sorgen, Schwächen und Nöte bekennen – und er hilft uns. Das ist keine Schwäche. Im Gegenteil: Gott ist unsere Stärke.
Vielleicht lässt Gott sogar gewisse Kämpfe und Niederlagen zu, damit wir nicht stolz werden, damit wir lernen, barmherzig auf andere zu sehen. Ich selbst habe das in meinen Anfängen als Christ erlebt. Damals habe ich manchmal auf Menschen herabgesehen, die nicht gläubig waren – Menschen, die aus meiner Sicht immer noch unter dem Einfluss Satans standen und nach den Maßstäben dieser Welt lebten.
Ein Mitarbeiter von mir war in seinen Fünfzigern, pflegte wechselnde außereheliche Beziehungen und reiste regelmäßig nach Thailand. Und ganz ehrlich: Bei fünfzigjährigen Männern, die regelmäßig nach Thailand fliegen, startet das Kopfkino ganz automatisch. Ich dachte oft: „Was für ein schwacher, sündiger Mann.“
Und dazu: „Solche Sünden würde ich nie begehen.“
Aber ich wusste gar nicht, was er dort tatsächlich machte. Ich urteilte, ohne die Fakten zu kennen.
Und kurze Zeit später trat ich selbst wieder in eine alte Sündenfalle – etwas, wovon ich dachte, es längst überwunden zu haben.
Da wurde mir klar, wie treffend es heißt:
„Stolz kommt vor dem Zusammenbruch, und Hochmut kommt vor dem Fall.“
(Sprüche 16,18 – Schlachter 2000)