Warum die Apostel keine jüdischen Namen haben
Die Namen Lukas, Matthäus, Markus und Maria wirken auf den ersten Blick nicht typisch jüdisch, da sie meist in ihrer griechisch-lateinischen Form bekannt sind – geprägt durch die christliche Überlieferung. Doch viele dieser Namen haben jüdische Wurzeln, wurden aber im Laufe der Zeit durch Übersetzungen und kulturelle Einflüsse verändert. So stammt Matthäus (griechisch: Ματθαῖος, Matthaios) vom hebräischen Mattitjahu (מַתִּתְיָהוּ) und bedeutet „Geschenk Gottes“, während Maria (griechisch: Μαρία, Maria oder Mariam) die griechische Form von Miryam (מִרְיָם) ist, einem klassischen jüdischen Namen, der bereits in der hebräischen Bibel vorkommt – etwa als Name der Schwester von Mose und Aaron. Markus (lateinisch: Marcus) hingegen ist kein ursprünglich jüdischer Name, wurde aber durch den Evangelisten Markus, der möglicherweise jüdischer Herkunft war, bekannt. Lukas (griechisch: Λουκᾶς, Lukas) ist rein griechischen Ursprungs und hat keine direkten Wurzeln im Judentum. Während die Namen des Alten Testaments oft direkt aus dem Hebräischen oder Aramäischen stammen, wie Abraham (אַבְרָהָם, Avraham), Isaak (יִצְחָק, Jitzchak), Jakob (יַעֲקֹב, Jaakow) oder Mose (מֹשֶׁה, Mosche), wurden viele Namen des Neuen Testaments an die griechisch-römische Welt angepasst, wodurch ihre jüdischen Ursprünge weniger offensichtlich sind. Einige, wie Matthäus oder Maria, haben jedoch weiterhin hebräische Wurzeln, während andere, wie Lukas oder Markus, aus der hellenistischen Umgebung stammen und die zunehmende Verbreitung des Christentums außerhalb der jüdischen Gemeinschaft widerspiegeln.
Leichte Anpassungen im Alten Testament
Die Namen des Alten Testaments gelten als „klassisch jüdisch“, da sie tief in der israelitischen Tradition verwurzelt sind und oft eine theologische Bedeutung tragen, die sich auf Gott oder göttliche Eigenschaften bezieht – etwa Jesaja (יְשַׁעְיָהוּ, Jeschajahu), was „JHWH ist Rettung“ bedeutet, Samuel (שְׁמוּאֵל, Schmu’el), „Gott hat gehört“, oder Elia (אֵלִיָּהוּ, Elijahu), „Mein Gott ist JHWH“. Mit der Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische (Septuaginta) und später ins Lateinische (Vulgata) wurden viele dieser Namen beibehalten oder leicht angepasst. Lukas und Markus tauchen hingegen nicht im Alten Testament auf und stammen aus der römisch-griechischen Welt. Sie stehen exemplarisch für die wachsende Universalität des frühen Christentums, das sich nicht nur an jüdische Gemeinden richtete, sondern auch Heiden ansprach.
Jesus oder Jeschua?
Auch der Name Jesus (griechisch: Ἰησοῦς, Iēsous) ist ein Beispiel für diese sprachlichen Anpassungen. Er leitet sich vom hebräischen Jeschua (יֵשׁוּעַ) ab, einer Kurzform von Jehoschua (יְהוֹשֻׁעַ, Jehoschua), was „JHWH ist Rettung“ oder „JHWH hilft“ bedeutet. Diese Namensform war zur Zeit Jesu in jüdischen Kreisen weit verbreitet. In der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, wurde Jehoschua bereits als Iēsous wiedergegeben, was die Namensform Jesu im Neuen Testament erklärt.
Allerdings gibt es bis heute Diskussionen darüber, wie Jesus eigentlich genannt werden sollte. Einige argumentieren, dass man ihn in seiner ursprünglichen, hebräischen Form Jeschua oder Jehoschua nennen sollte, da dies seinem tatsächlichen Namen entspricht, wie er zur damaligen Zeit in jüdischen Kreisen verwendet wurde. Diese Sichtweise wird besonders von Menschen vertreten, die betonen, dass Jesus ein Jude war und sein Name nicht in eine griechisch-lateinische Form überführt werden sollte. Andere bevorzugen die geläufige Form Jesus, die sich aus der griechischen Übersetzung Iēsous ableitet und über die Jahrhunderte im Christentum etabliert hat. Diese Version ist in den meisten Sprachen bekannt und wird weltweit verwendet, was sie für viele Christen zur natürlichsten Wahl macht. Ein weiterer Streitpunkt ist die aramäische Variante Jeschu (ישו), die in jüdischen Schriften oft vorkommt, jedoch teilweise als abwertend betrachtet wird, da sie ohne das hebräische Suffix „-a“ auskommt, das für Gottes Namen stehen könnte. Manche glauben, dass diese Kurzform bewusst in polemischen jüdischen Texten verwendet wurde, um sich vom christlichen Jesusbild abzugrenzen.
Gott wollte dass sein Wort in alle Sprachen übersetzt wird
Letztlich hängt die Bezeichnung von Jesus stark vom kulturellen und religiösen Kontext ab. Während Christen ihn meist als Jesus Christus bezeichnen, bevorzugen einige messianische Juden und Hebräisch-Sprecher die ursprüngliche Form Jeschua. Doch unabhängig davon, wie man ihn nennt, weiß Gott bereits, wer im ehrlichen Gebet gemeint ist. Sein Wort wurde in alle Sprachen übersetzt, damit jeder Mensch, egal in welcher Kultur oder Sprache, Zugang zu ihm haben kann. Entscheidend ist nicht die exakte Namensform, sondern die aufrichtige Beziehung zu ihm.