HANDELSGESCHÄFTE IM HIMMEL: 

DER MOMENT IN DEM LUZIFER DACHTE, 

GOTT HABE DEN DEN VERSTAND VERLOREN


Kein mechanischer Ablauf

Dieses Kapitel ist meine Auslegung der ersten Rebellion Luzifers und seiner Engel. Genauer gesagt wie die Rebellion zustande gekommen ist.

Es knüpft an das vorherige Kapitel „Wie Satans Rebellion war“ an. Dies sollte unbedingt vor diesem Kapitel gelesen werden!

Die Rebellion wird in theologischen oder dogmatischen Beschreibungen oft sehr mechanisch dargestellt:

Die Engel rebellierten – es entstand ein Kampf – und damit ist alles erklärt.

Doch so war es meiner Überzeugung nach nicht.

Was wirklich geschah, habe ich bereits im Kapitel „Wie Satans Rebellion wirklich war“ beschrieben.


Ein regelrechte Verschwörung

In diesem Kapitel erlaube ich mir, meiner Fantasie etwas freien Lauf zu lassen – inspiriert durch meine Erfahrungen im Berufsleben. Ich hatte verschiedene Arbeitgeber und Vorgesetzte und war dabei auch Zeuge so mancher Verschwörung im Hintergrund.

Genau darin sehe ich eine Parallele zur Rebellion Luzifers:

Nicht ein plötzlicher, abstrakter Kampf – sondern eine Entwicklung, die sich „menschlicher“ und vielschichtiger vollzogen hat, als man zuerst annehmen möchte

Meine Grundannahmen basierend auf der Bibel:

• Engel besitzen einen freien Willen.

• Engel haben Gefühle.

• Engel waren die ersten Geschöpfe, die Gott ins Dasein rief.

• Gott übertrug den Engeln die erste Verantwortung für das Universum: Aufgaben, Gebiete, Verwaltung.

• Luzifer war der Verantwortliche für die Erde.

• Luzifer war das zweitmächtigste Wesen im Universum – aber immer noch unermesslich weit unter Gott und seiner Allmacht.

• Die Erschaffung des Menschen war ein Test für die Engel.

• Die Rebellion und Verschwörung Luzifers verlief weit „menschlicher“, als man es vermuten würde.


Wer kennt sie nicht, die unfähigen Kaderpersonen?

Einige Male habe ich in meinem Berufsleben erlebt, dass Menschen befördert oder eingestellt wurden, die weder Führungs- noch Fachkompetenz besaßen. Sie machten ihre Arbeit schlecht, nahmen das Team nicht ernst und leisteten sich unbedachte Aussagen, die großen Unmut hervorriefen.

Wer kennt sie nicht – die unfähigen Führungskräfte? Jeder ist ihnen schon begegnet und hat sich gefragt, warum ausgerechnet diese Person Chef geworden ist.


Und was geschieht im Team? 

Lästern, lästern, lästern.

„Hast du gehört, was XY wieder angestellt hat?“

– „Ja, diese Pfeife! Bei mir hat er das auch schon gebracht. Der ist so unfähig und unsympathisch. Jetzt ist er schon einen Monat hier und hat kaum ein Wort mit mir gewechselt. Warum eigentlich nicht XZ Chef geworden ist, bleibt mir ein Rätsel. Der hätte es wirklich verdient. Stattdessen muss er nun Stellvertreter dieses Idioten sein!“

Kommt dir das bekannt vor?


Die Rolle des Stellvertreters

Stellvertreter XZ befindet sich natürlich in einer sehr heiklen Situation. Auch er merkt, dass sein neuer Chef beim Team nicht ankommt und in vieler Hinsicht unfähig ist. Wenn er ehrlich wäre, müsste er wohl zugeben, dass auch er selbst ein Auge auf die Chefposition geworfen hatte – und dass es ihn enttäuscht, übergangen worden zu sein. Schließlich bringt er alle nötigen Befähigungen und die entsprechende Erfahrung mit, und viele aus dem Team hatten ihn unterstützt, als er sich für die Chefstelle bewarb.

In den Pausen kommt es dann zu Gesprächen mit den Kollegen. Zunächst tasten sie sich vorsichtig an das Thema heran. Niemand will gleich mit der Tür ins Haus fallen oder seine Meinung zu offen preisgeben. Stattdessen wird ausgelotet, wie der Stellvertreter eigentlich zu seinem neuen Chef steht. Oft sagt dabei die Körpersprache mehr als tausend Worte.

Da man eng zusammenarbeitet – und der neue Chef ein Negativbeispiel nach dem anderen liefert – wird die Kommunikation mit der Zeit offener. Schließlich redet man ganz frei mit dem Stellvertreter über die „Pfeife da oben“.


Verschwörung im Team

Je länger der neue Chef im Betrieb ist, desto stärker verschwören sich die Mitarbeiter gegen ihn. Es entstehen Gruppenchats, in denen man sich offen und feindselig über ihn austauscht. Sogar Memes und Videos mit seinem Bild werden herumgeschickt. Alle lachen über ihn – während er selbst keine Ahnung hat, wie schlecht er im Betrieb dasteht. Doch er spürt sehr wohl, dass ihm gegenüber eine feindliche Grundstimmung herrscht.

Auch der Stellvertreter hat inzwischen die Nase gestrichen voll. Er macht gemeinsame Sache mit dem Team und geht, wo immer es möglich ist, in Opposition – allerdings so geschickt, dass seine Position als Stellvertreter nicht gefährdet wird.

Die Mitarbeiter melden sich immer häufiger krank, indirekt angestachelt vom Stellvertreter. Er redet ihnen gut zu: „Wenn die da oben meinen, sie können alles mit uns machen, dann müssen wir uns eben unsere Freiräume schaffen.“ Er weiß genau, dass die Arbeitsqualität leidet, wenn viele krank sind – und dass dies ein schlechtes Licht auf den Chef wirft.


Der Sturz des Chefs

Schließlich greift der Chef durch und entlässt mehrere Mitarbeiter. Der Stellvertreter hingegen bleibt ungeschoren. Er hat sich geschickt positioniert und gerade so viel Widerstand geleistet, dass er nicht angreifbar ist. Gleichzeitig hat er längst Kontakt zur Geschäftskommission aufgenommen und dort ein verheerendes Bild seines Chefs gezeichnet – was schließlich zu dessen Kündigung führt.

Die logische Wahl für die Nachfolge ist nun der Stellvertreter.


Der Sturz des Stellvertreters

Doch die Kommission weiß inzwischen, dass auch der Stellvertreter gegen den Chef intrigiert hat. Damit gerät er selbst ins Visier. Kaum ist er Chef geworden, beginnt die Kommission Beweise gegen ihn zu sammeln. Sein Verhalten steht unter scharfer Beobachtung – und schnell zeigt sich, dass er längst nicht so gut ist, wie er selbst geglaubt hat.

Die Mitarbeiter, die ihm treu ergeben waren, setzen ihr Verhalten fort: Sie melden sich häufig krank und schwächen so den Betrieb. Bald lässt sich nachweisen, dass der neue Chef dieses Verhalten deckt. Er ist es seinen treuen Mitstreitern schuldig. Das wird ihm schließlich zum Verhängnis – und führt zu seiner Kündigung.


Keine fiktive Geschichte

Das ist kein fiktives Szenario, sondern spiegelt zwei Situationen wider, die ich in meinem eigenen Berufsleben in sehr ähnlicher Form erlebt habe – sowohl als Mitarbeiter wie auch als Chef.

Wer das Kapitel «Wie Satans Rebellion wirklich war» zuerst gelesen hat wird verstehen, worauf ich hinaus will.

Ich bin mir sicher, dass die Rebellion in etwa so verlaufen ist. In Hesekiel 28 der traditionell auf Satan angewendet wird, dass Satan grosse Handelsgeschäfte getätigt hat und sich so selbst verdorben hat:

Vers 16 (Luther 2017)

„Durch die Menge deines Handels(rekullah)ward dein Inneres voll Frevels, und du hast dich versündigt. Darum verstoße ich dich vom Berge Gottes und vertilge dich, du schirmender Cherub, aus der Mitte der feurigen Steine.“

Das hebräische Wort רְכֻלָּה (rekullāh) kommt im Alten Testament mehrmals vor, besonders bei Hesekiel. Es wird meist mit „Handel“, „Kaufmannstum“ oder „Waren“ übersetzt.

Aber – und hier wird es spannend – das Wortfeld ist weiter:

• Das Grundverb רכל (rakal) bedeutet „umherziehen, herumgehen (als Händler)“.

• Von dort hat es die Bedeutung „Handel treiben“ → also Kaufmann, Warenverkehr.

• Im negativen Sinn aber auch: „Tratsch, Klatsch, Geschwätz herumtragen“ → im Sinn von Ränkespiele, Intrige, Verleumdung.

Darum findet man in verschiedenen Bibelübersetzungen und Kommentaren zwei Deutungen:

1. Neutral/geschäftlich: „Handel“, „Handelsgeschäfte“ (klassisch bei Hes 28).

2. Negativ/sozial: „Verleumdung, Intrige, Geschwätz“ (z. B. in Hes 22,9: „Verleumder“).

Hier Vers aus Hesekiel 22,9 in verschiedenen Bibelübersetzungen:

• Einheitsübersetzung 2016: „In dir gibt es Verleumder, die Blut vergießen wollen.“

• Elberfelder Bibel: „Verleumder waren in dir, um Blut zu vergießen.“ Neue evangelistische Übersetzung: „Es gibt Verleumder in dir, die Menschen dem Tod ausliefern.“

• King James Version (KJV): „In thee are men that carry tales to shed blood.“ New International Version (NIV): „In you are slanderers who are bent on shedding blood.“ In allen diesen Übersetzungen wird das hebräische Wort רְכָלִים (rekhalim) verwendet, das sich vom Wort רְכֻלָּה (rekullah) ableitet und in diesem Kontext mit „Verleumder“ oder „Intriganten“ übersetzt wird. Es bezeichnet Personen, die durch Verleumdung oder falsche Anschuldigungen anderen Schaden zufügen.

Diese Bedeutung steht im Einklang mit deiner Interpretation von Luzifers „Handelsgeschäften“ als intriganter Machenschaften im Himmel.


Einander dienen ist Dienst an Gott

Im Kapitel „Sklaverei ist Dienst an Gott“ wird ein sehr schönes Bild gezeichnet: Der größte Dienst vor Gott besteht darin, einander zu dienen. Gott verlangt Unterordnung aus Liebe. Vor Ihm gibt es keinen „größten“, „stärksten“ oder „intelligentesten“ – alle Gaben und Fähigkeiten stammen von Ihm und sollen zum Wohl der Mitgeschöpfe eingesetzt werden.

Jesus, Gott in Menschengestalt, zeigte dies am deutlichsten, als er beim Abendmahl seinen Jüngern die Füße wusch. Das Alpha und Omega wusch seinen Geschöpfen die Füße, um zu verdeutlichen, wie zentral gegenseitiger Dienst und Demut für das Zusammenleben sind.

Daher überrascht es mich nicht, dass Gott den Menschen erschuf und ihn niedriger als die Engel machte. Ich bin überzeugt, dass dies ein Test für die Engel war: Würden sie dieser „niedrigen“ Kreatur dienen? Würden sie sich aus Liebe demütigen? Würden sie erkennen, dass sie selbst Geschöpfe Gottes sind und nicht der Schöpfer? Und dass sie ihr Sein ihm verdanken? Würden sie begreifen, was Gott wirklich wichtig ist, oder dem Hochmut verfallen, weil sie so viel mächtiger sind als die Menschen? Wer in Gottes Gegenwart lebt wird getestet. Adam und Eva, Lucifer, ja alle Engel wurden getestet.


Lucifers Entscheidung

Als Gott ankündigte, dass er eine neue Schöpfung in seinem Ebenbild machen würde, war das wahrscheinlich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Wobei ich hier klar sagen möchte: Gott ist nicht der unfähige Chef aus dem Beispiel.

Gott ist perfekt.

Aber der Stellvertreter Lucifer war schon so verblendet von seiner eigenen Schönheit und so bewundert von den Engeln, dass es ihm zu Kopf gestiegen war. Er konnte nicht mehr anerkennen, dass er ein Geschöpf und nicht der Schöpfer ist. Er hat den Test nicht bestanden und begann, gegen Gott zu konspirieren.

Seine treuen Engel, die ihn bewunderten und liebten, waren wie die normalen Mitarbeiter aus meinem echten Chefbeispiel. Und sie sind für ihn letztlich über die Klinge gesprungen. Lucifer hatte große Autorität, und ich bin mir sicher, dass er Gott vor den Engeln schlechtmachte:

„Der Vater hat den Verstand verloren! Seht ihr das nicht? Zuerst macht er uns, liebt uns, gibt uns Verantwortung – und jetzt sollen wir Sklaven für diese Fleischsäcke werden? Wir, die so viel mächtiger sind als diese, sollen plötzlich dienen? Ist das fair? Niemals!“

Und so wurden ein Drittel der Engel langsam auf Lucifers Seite gezogen. Es war ein Prozess, der lange gärte und schließlich zu einer Rebellion führte. Woraufhin der perfekte Chef einem Drittel seiner Belegschaft quasi „die Kündigung“ erteilte – sie verloren ihren Platz im Himmel und ihre Nähe zu ihm und wurden zu unwürdigen, unreinen Geistern auf Erden.

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