Gefässe zum Zorn: Wie Gott böse Menschen neu zubereitet


Calvinismus und das Bild des Töpfers

Der Calvinismus verwendet besonders gern das Bild des Töpfers, um zu zeigen, dass Gott angeblich bewusst böse Menschen erschafft, um seinen Heilsplan voranzubringen.

Diese Menschen sind nicht nur zum Bösen bestimmt, sondern landen am Ende unausweichlich in der Hölle – was äußerst ungerecht erscheint.

Doch diese Auslegung steht im Widerspruch zu mehreren Bibelstellen, die ein anderes Bild von Gottes Wesen und seinem Heilswillen vermitteln:

2. Petrus 3,9:

„Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten, sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde.“

1. Timotheus 2,3–4:

„Denn das ist gut und angenehm vor Gott, unserm Heiland, welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“

Im Kapitel "Prädestination verstehen wollen, ist wie Gott verstehen wollen", wird auf das Thema genauer eingegangen.


Prädestination existiert

Prädestination existiert – doch wie weit sie reicht und welche Menschen konkret davon betroffen sind, bleibt offen zur Diskussion.

Ich bin mittlerweile überzeugt, dass Gott bestimmte Menschen ganz bewusst für seinen Heilsplan erschaffen und prädestiniert hat. Beispiele dafür sind die zwölf Apostel oder die Jungfrau Maria. Diese Menschen konnten sich Gottes Berufung nicht entziehen – sie wurden ins Leben gerufen, um einen bestimmten, heilsgeschichtlichen Auftrag zu erfüllen.

Dabei gilt: Gott ist gut, und alles, was er tut, dient dem Guten. Er ist nicht der Urheber des Bösen, sondern der Ursprung von Wahrheit, Gnade und Erlösung.

Das macht die Schrift unmissverständlich klar:

Jakobus 1,13 (Luther 2017):

„Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand.“


Gott will, dass alle zur Busse kommen und ist nicht der Verursacher des Bösen

Daher ist meine Interpretation der Töpferverse eine andere:

Gott handelt mit Geduld, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Immer wieder spricht er zu Menschen, ruft zur Umkehr, streckt seine Hand aus – aber er zwingt niemanden. Wenn ein Mensch über längere Zeit Gottes Ruf bewusst ablehnt, sich dem Bösen verschreibt, beginnt ein Prozess, in dem Gott den Lebensweg dieses Menschen verändert. Die Bibel beschreibt das mit einem eindrucksvollen Bild: Der Mensch als Gefäß – geformt von Gott, dem Töpfer.


Der Töpfer und der Ton – alle beginnen gleich

In Jeremia 18 zeigt Gott dem Propheten ein lebendiges Bild:

Jeremia 18,3–6:

„Und ich ging hinab in des Töpfers Haus, und siehe, er arbeitete eben auf der Scheibe.

Und der Topf, den er aus Ton machte, mißriet unter seinen Händen.

Da machte er daraus einen andern Topf, wie es dem Töpfer gefiel, ihn zu machen.

Da geschah des HERRN Wort an mich:

Kann ich mit euch nicht ebenso umgehen, ihr vom Hause Israel?, spricht der HERR.

Siehe, wie der Ton in der Hand des Töpfers – so seid ihr in meiner Hand, Haus Israel!“

Jeder Mensch beginnt wie ein weicher Klumpen Ton – formbar, neutral, mit Potenzial. Die Ausgangslage ist gleich für alle. Im Sinne von, alle können sich zum guten wenden. Doch mit der Zeit wird klar: Nicht jeder Klumpen entwickelt sich gleich. Einer lässt sich formen, wird schön, stark, brauchbar – ein Gefäß zur Ehre. Ein anderer widersteht, verhärtet sich, verzieht sich in Stolz, Gewalt, Selbstsucht – und missrät

Im Ursprung hatte Gott Gutes mit ihm vor. Doch der Mensch wollte nicht. Dann wird sein Schicksal neu geformt. Er wird ein anderes Gefäss und erfährt ein anderes Schicksal. Alles im Einklang mit Gottes übergeordnetem Heilsplan.


Aus demselben Klumpen – zwei verschiedene Gefäße

Paulus greift dieses Bild in Römer 9 auf und führt es noch tiefer:

Römer 9,20–21:

„Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst?

Spricht auch das Werk zu seinem Meister: Warum machst du mich so?

Hat nicht ein Töpfer Macht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zur Ehre und ein anderes zur Unehre zu machen?“

Das bedeutet: Gott bevorzugt oder benachteiligt niemanden.

Er nimmt denselben Ausgangsstoff – also denselben Menschen –, doch im Laufe des Lebens offenbart sich der innere Zustand. Der freie Wille des Menschen entscheidet, ob er formbar bleibt oder ob er sich verhärtet.

Viele lesen aus dem Text heraus, dass Gott willkürlich Menschen zur Unehre bestimmt. Doch das ist nicht der Kontext. Der Zusammenhang ist vielmehr: Gott wird zu gegebener Zeit reagieren – und aus dem alten Gefäß ein neues machen. Das steht ihm zu, und gerade darin zeigt sich seine Gerechtigkeit.

Das ist es, was auch der Vers bei Jesaja ausdrückt: "Wenn ihr nicht wollt, dann werde ich euer Schicksal in die Richtung lenken, die ihr ohnehin anstrebt."

Und Gott fragt: „Darf ich das etwa nicht?“


Wenn ein Gefäß sich nicht formen lässt, wenn es missrät– Gefäße zum Zorn

Paulus führt weiter aus:

Römer 9,22–23:

„Da Gott seinen Zorn erzeigen und seine Macht kundtun wollte,

hat er mit großer Geduld die Gefäße des Zorns ertragen,

die zum Verderben bestimmt waren,

damit er den Reichtum seiner Herrlichkeit kundtue an den Gefäßen der Barmherzigkeit,

die er zuvor bereitet hatte zur Herrlichkeit.“

Das ist keine Willkür. Gott erträgt den Widerstand der Menschen lange – mit großer Geduld. Er hatte auch mit bösen Menschen Geduld. Doch wenn ein Mensch trotz Warnungen und trotz Gottes Langmut weiter beharrlich den Weg des Bösen geht, wird er schließlich zu einem Werkzeug des Gerichts.

So wie ein Töpfer auf ein missratenes Gefäß blickt und sagt:

„Es ist nicht schön, nicht edel – aber ich kann es dennoch für einen anderen Zweck verwenden.“ 

Das macht der Mensch ja auch. Vielleicht hat man ursprünglich eine schöne Vase für den Innebereich gekauft. Dann fällt sie runter. Für den Innenbereich ist sie nicht mehr zu gebrauchen. Aber für einen schönen Gartentopf reichts noch. Oder sie wird zum Wurfgeschoss für Zerstörung. :)


Zurück zur grossen Geduld Gottes

Würde Gott absichtlich böse Menschen erschaffen, um sie dann zu verurteilen, wäre es widersprüchlich, wenn er anschließend sagte:

„Ich habe so lange Geduld mit euch bösen Menschen.“

Er hätte sie ja selbst so geschaffen und wüsste, dass sie böse sind. Warum also noch Geduld?

Hier zeigt sich die innere Unstimmigkeit der calvinistischen Sichtweise: Wenn der Mensch keine echte Wahl hat und von Anfang an zum Bösen vorherbestimmt ist, wirkt Gottes Geduld unlogisch – ja, sogar widersprüchlich. 

Denn wahre Geduld setzt die Möglichkeit der Umkehr voraus, die nicht genutzt wird.


Beispiel: Der Pharao – ein Gefäß zum Zorn

Ein biblisches Beispiel für dieses Prinzip ist der Pharao von Ägypten. Er hatte Macht, wiederholte Gelegenheiten zur Umkehr und wurde durch Mose mit warnenden Zeichen konfrontiert – doch er verhärtete sein Herz.

Schließlich gebrauchte Gott ihn bewusst, um seine Macht und Herrlichkeit sichtbar zu machen:

Römer 9,17:

„Denn die Schrift sagt zum Pharao: Eben dazu habe ich dich erweckt, damit ich an dir meine Macht erweise und damit mein Name verkündigt werde auf der ganzen Erde.“

Der Pharao war ein grausamer Herrscher, der sogar die Erstgeborenen der Israeliten ermorden ließ. Dennoch ließ Gott ihn weiter regieren – nicht, weil er ihn liebte, sondern weil er ihn als Werkzeug des Gerichts gebrauchte, um seine Macht und Gerechtigkeit zu demonstrieren – und gleichzeitig seine Güte gegenüber seinem Volk sichtbar zu machen.

Der Pharao war nicht von Anfang an vollkommen böse, doch sein Weg zeichnete sich deutlich ab. Schließlich wurde er zum Gefäß des Zorns. Gott nahm den Klumpen in die Hand und sagte:

„Für diesen Zweck kann ich dich noch gewinnbringend einsetzen – sei es, um meine Macht an dir zu zeigen.“

Wer die Geschichte des Pharaos genau liest, erkennt einen klaren Verlauf:

Zunächst verhärtete der Pharao selbst sein Herz – er widerstand Gottes Mahnungen aus eigener Entscheidung. Erst am Ende verstockte Gott sein Herz, um ihn dem Gericht zu übergeben.

Das zeigt: Gott gebraucht auch das Böse, ohne dessen Urheber zu sein. Der Pharao hatte viele Chancen zur Umkehr – und blieb dennoch stur. Erst als der Weg zurück wissentlich und willentlich versperrt war, überließ ihn Gott dem Gericht.


Beispielverse aus 2. Mose (Exodus)

Pharao verstockt sich selbst:

2. Mose 8,11:

„Als aber der Pharao sah, dass er Luft bekommen hatte, verstockte er sein Herz und hörte nicht auf sie, wie der HERR gesagt hatte.“

2. Mose 8,28:

„Aber der Pharao verstockte sein Herz auch diesmal und ließ das Volk nicht ziehen.“

2. Mose 9,7:

„Und der Pharao sandte hin, und siehe, von dem Vieh Israels war kein einziges Stück tot. Aber das Herz des Pharao wurde verstockt, und er ließ das Volk nicht ziehen.“


Gott verstockt das Herz des Pharao:

2. Mose 9,12:

„Aber der HERR verstockte das Herz des Pharao, und er hörte nicht auf sie, wie der HERR zu Mose gesagt hatte.“

2. Mose 10,1:

„Da sprach der HERR zu Mose: Geh hinein zum Pharao; denn ich habe sein Herz und das Herz seiner Knechte verstockt, damit ich diese meine Zeichen unter ihnen tue.“

2. Mose 11,10:

„Und der HERR verstockte das Herz des Pharao, dass er die Israeliten nicht ziehen ließ aus seinem Lande.“


Alle Gefässe haben die Chance ein ehrbares Gefäss zu werden

Der Vers aus 2. Timotheus zeigt deutlich, dass jeder Mensch die Chance hat, ein ehrbares Gefäß zu werden – unabhängig von seinem aktuellen Zustand.

Paulus schreibt:

2. Timotheus 2,20–21:

„In einem großen Haus sind nicht nur goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene; einige zur Ehre, andere zur Unehre.

Wenn sich nun jemand von solchem Unrat reinigt, wird er ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt, dem Hausherrn nützlich und bereit für jedes gute Werk.“

Diese Wahrheit gilt für jeden Menschen: Auch ein „unehrenhaftes“ Gefäß kann verändert werden. Die Möglichkeit zur Umkehr und Heiligung steht jedem offen.

Wer Buße tut und sich demütig von Gott formen lässt, beginnt ein neues Leben. Der Heilige Geist wirkt in solchen Menschen und bringt die Früchte Gottes hervor:

Galater 5,22–23:

„Die Frucht des Geistes aber ist:

Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.

Gegen all dies ist das Gesetz nicht.“

Heiligung ist der Prozess, durch den ein Mensch vom „Gefäß zur Unehre“ zum „Gefäß zur Ehre“ wird.

Der gegenwärtige Zustand eines Menschen ist nie endgültig, solange Gottes Gnade ihm angeboten wird. Alle Menschen beginnen gleich – wie Tonklumpen in der Hand des Töpfers. Gott formt das Leben entsprechend dem Zustand des Herzens:

Wer sich von Gott formen lässt, wird ein Gefäß zur Ehre.

Wer sich widersetzt und Gottes Geduld missachtet, wird nach langem Ertragen zum Gefäß des Zorns geformt.

Doch selbst das Missratene gebraucht Gott für seine Zwecke – ohne dabei sein Wesen als gerechter und heiliger Gott zu verlieren.

Solange das Gnadenangebot gilt, hat jedes „Gefäß“ die Möglichkeit zur Reinigung und Weihe. Wann dieses Angebot zurückgezogen wird, zeigt das Kapitel „Warum lässt Gott das Böse zu?“


Das ist die Hoffnung:

Gott formt. Gott richtet. Aber Gott vergibt auch und stellt wieder her.

Solange der Ton weich ist, bleibt die Hand des Töpfers bereit, ein neues Werk zu tun.

„Siehe, wie der Ton in der Hand des Töpfers – so seid ihr in meiner Hand.“ (Jeremia 18,6)

Diese Webseite verwendet Cookies. Hier kannst du auswählen, welche Cookies du zulassen willst und deine Auswahl jederzeit ändern. Klickst du auf 'Akzeptieren', stimmst du der Verwendung von Cookies zu.