Du kannst keine Dämonen binden
Ein amerikanischer Prediger machte einmal eine sehr amüsante Bemerkung über das „Binden“ des Satans. Er sagte sinngemäß: „Es gibt Kirchen, die in ihren Gottesdiensten regelmäßig den Satan binden. Und da frage ich mich: Wissen die anderen Kirchen überhaupt, dass er gerade gebunden wurde? Und wie lange ist er eigentlich gebunden – nur bis zum Wochenende? Und darf ich noch eine Frage hinzufügen: Warum haben sie ihn danach wieder freigelassen?“
Das Binden von Dämonen ist eine Irrlehre der falschen geistigen Kriegsführung
Sie hat ihre Wurzeln in der falschen Interpretationen von einigen Bibelversen die ich hier genauer erkläre:
Jesus gab seinen Jüngern Autorität über unreine Geister, sodass sie böse Mächte vertreiben konnten
„Und er sandte sie aus, um das Reich Gottes zu predigen und die Kranken zu heilen. Und er sprach zu ihnen: Nehmt nichts für den Weg, weder Stab, Tasche noch Brot; auch keinen Silbergroschen in eure Gürtel. In welcher Stadt ihr aber in eine Wohnung eintretet, da bleibt bei ihr, esst und trinkt, was sie haben; denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert. Und in welcher Stadt ihr nicht angenommen werdet, da geht hinaus auf die Straßen und sprecht: Auch den Staub von eurer Stadt, der an uns haftet, kehre ich euch ab. Wahrlich, ich sage euch: Es wird Sodom am Tage des Gerichts erträglicher ergehen als jener Stadt.“ (Lukas 10,1–12, Schlachter 2000)
Danach kamen sie zurück:
„Und die siebenundzwanzig Jünger kamen zurück und freuten sich und sprachen:
Herr, sogar die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen!“ (Lukas 10,17, Schlachter 2000)
Die in Lukas 10,19 erwähnte Macht bezieht sich im Kontext klar auf das Austreiben von Dämonen
„Siehe, ich habe euch die Macht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und über alle Gewalt des Feindes, und nichts wird euch schaden.“ (Lukas 10,19, Schlachter 2000)
Jesus gab seinen Jüngern Autorität über unreine Geister, sodass sie böse Mächte austreiben konnten.
In der Bibel wird kein einziger Ort erwähnt wo die Apostel oder Jesus Dämonen gebunden hätten
Die Bibel zeigt jedoch, dass diese Geister nach der Austreibung nicht vernichtet sind, sondern umherirren und auf eine Gelegenheit warten, wieder zurückzukehren, sobald der Mensch sich erneut der Sünde hingibt:
„Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so durchstreift er trockene Örter und sucht Ruhe, und findet sie nicht. Dann spricht er: Ich will in mein Haus zurückkehren, aus dem ich ausgefahren bin. Und wenn er kommt, so findet er es leer, gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, die böser sind als er selbst; und sie gehen hinein und wohnen darin, und das letzte wird schlimmer mit ihm als das erste.“ (Matthäus 12,43–45, Schlachter 2000)
Auch die Dämonen die Jesus austrieb wurden nicht gebunden
Da fragte er sie: Wie heißt dein Name? Er sprach: Legion; denn viele Dämonen waren in ihn gefahren. Und sie baten ihn, dass er sie nicht in den Abgrund schicke. Es war aber eine große Herde Schweine auf dem Berg weidend. Und sie baten ihn, dass sie in die Schweine fahren dürften; und er ließ sie zu. Und die Dämonen gingen aus dem Menschen hinaus und fuhren in die Schweine; und die Herde stürzte den Abhang hinunter ins Meer und ertrank.“ (Lukas 8,30–33, Schlachter 2000)
Deshalb betont die Schrift immer wieder, wie wichtig geistliche Wachsamkeit, Buße und ein Leben im Gehorsam gegenüber Gott sind, um dauerhaften Schutz vor Dämonen zu haben.
Man kann sie nicht dauerhaft binden; man kann sie nur bei besessenen Menschen austreiben und sie durch ein gottgefälliges, hingebungsvolles Leben fernhalten.
„Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann.“ (1. Petrus 5,8, Schlachter 2000)
„Darum: Wer denkt, er stehe, siehe, dass er nicht falle.“ (1. Korinther 10,12, Schlachter 2000)
Ein unbiblischer Begriff
Der Begriff „Dämonenbindung“ ist unbiblisch und unsinnig! Er kommt weder in der Bibel vor, noch wird er dort praktiziert. Am wichtigsten: Er ist eine irreführende Lehre, die suggeriert, dass man Kontrolle über Dämonen habe. Tatsächlich ist das nicht der Fall – zumindest nicht in der Weise, wie der schwammige Begriff „Binden“ in falscher geistlicher Kriegsführung verkauft wird.
Ein Christ kann Dämonen austreiben und fernhalten. Ein Dämon, der durch ein schwaches Glaubensleben und begangene Sünden offiziell das Recht erhalten hat, jemanden zu belästigen, lässt sich jedoch nicht „binden“ und wegschicken. Das funktioniert so nicht.
Der Weg, um sich von einem solchen Dämon zu befreien,
verläuft immer nach demselben Prinzip, in drei Schritten:
Sünden bekennen und bereuen: Alle neu begangenen Sünden ehrlich vor Gott bekennen und um Verzeihung bitten. Somit wird man vor ihm gereinigt.
„Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“ (1. Johannes 1,9, Schlachter 2000)
Schutz bei Gott suchen: Gott im Gebet um Schutz vor diesem Dämon bitten:
„Er ruft mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen.“ (Psalm 91,15, Schlachter 2000)
Glaubensleben stärken: Das eigene Glaubensleben durch vermehrtes Gebet, Bibelstudium und das Lesen von Versen stärken, die sich gegen die begangenen Sünden richten, und diese sich immer wieder vor Augen führen.
„Dieses Buch des Gesetzes soll nicht von deinem Mund weichen, sondern du sollst darüber Tag und Nacht nachsinnen, damit du darauf achtest, alles zu tun, was darin geschrieben steht. Denn dann wirst du auf deinem Weg Erfolg haben und dann wirst du klug handeln.“ (Josua 1,8, Schlachter 2000)
So einfach ist es.
Binden und Lösen erklärt
Der Begriff „Binden und Lösen“ wird oft missverstanden. Viele glauben, dass es dabei um das Binden von Dämonen oder das Bekämpfen des Teufels geht, doch die Bibel zeigt ein anderes Bild. Jesus spricht diesen Ausdruck in zwei zentralen Passagen an: zu Petrus in Matthäus 16,19 über die Schlüssel des Himmelreichs und zur Gemeinde in Matthäus 18,18 im Zusammenhang mit dem Umgang untereinander mit Sündern. In beiden Fällen richtet sich die Autorität nicht auf Dämonen, sondern auf Menschen – insbesondere auf diejenigen, die in Sünde leben, sowohl innerhalb der Gemeinde als auch außerhalb. Es geht also nicht um übernatürliche Kämpfe, sondern um geistliche Verantwortung und um die Rettung von Menschen.
In Matthäus 16,19 überträgt Jesus Petrus die „Schlüssel des Himmelreichs"
„Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; und was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.“ (Schlachter 2000)
Diese Schlüssel symbolisieren Autorität und Verantwortung, den Zugang zu Gott und zur Rettung durch die Gemeinde zu vermitteln. Was Petrus bindet oder löst, wird vom Himmel bestätigt – Menschen, die bereit sind, auf Gottes Wort zu hören, werden „hereingelassen“, während diejenigen, die sich weigern, geistlich außen vor bleiben.
Binden bedeutet also, Sünde aufzuzeigen und die Konsequenzen darzustellen, während Lösen Vergebung, Befreiung und Rettung ermöglicht.
In Matthäus 18,18 gibt Jesus konkrete Anweisungen, wie die Gemeinde mit Sündern umgehen soll
„Wahrlich, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird im Himmel gelöst sein.“ (Schlachter 2000)
Zunächst soll ein persönliches Gespräch stattfinden, dann mit Zeugen, und, wenn nötig, durch Einbeziehung der ganzen Gemeinde. Wenn die Gemeinde im Namen Jesu handelt und übereinstimmt, wird das, was sie bindet oder löst, vom Himmel bestätigt. Auch hier liegt der Fokus klar auf Menschen und ihren Sünden, nicht auf Dämonen.
„Wenn dein Bruder sündigt, so geh hin und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Hört er aber nicht, so nimm noch ein oder zwei mit dir, damit jede Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen bestätigt werde. Hört er aber auf sie nicht, so sage es der Gemeinde. Und wenn er auch auf die Gemeinde nicht hört, so sei er für dich wie ein Heide und Zöllner.“
(Matthäus 18,15–17, Schlachter 2000)
„Binden und Lösen“ ist also Ausdruck der Autorität der Gemeinde, im Einklang mit Gottes Wort zu handeln, Sünde aufzudecken, Buße zu fördern und Menschen zur Umkehr zu führen. Die Schlüssel des Himmelreichs stehen dabei für das Evangelium, das den Zugang zu Gott und die Möglichkeit der Rettung eröffnet. Jesus betont, dass diese Autorität auf Übereinstimmung und Glaube basiert:
„Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Matthäus 18,20, Schlachter 2000)
Die Bibel fordert die Gemeinde auf, sich nicht über das hinauszuwagen, was geschrieben steht:
„Damit ihr euch nicht über das hinauswagt, was geschrieben ist.“ (1. Korinther 4,6, Schlachter 2000)
Leider wurde diese Autorität in der Kirchengeschichte oft fehlinterpretiert und missbräuchlich ausgeübt. Das „Binden und Lösen“ zielt immer auf die Rettung von Menschen ab, nicht auf Dämonenbekämpfung. Es ist ein Werkzeug, um Sünde ans Licht zu bringen, Vergebung zu ermöglichen und die Gemeinde als Instrument Gottes für die Rettung von Menschen zu etablieren.
Kurz gesagt: „Binden und Lösen“ bedeutet geistliche Verantwortung gegenüber Sündern, die Macht, Menschen zur Umkehr zu führen, und die Fähigkeit, Rettung durch das Evangelium zu vermitteln – alles im Namen Jesu und im Einklang mit Gottes Wort.
Der Schlüssel zum Himmelreich steht für die göttliche Autorität, die Christen haben, Gottes Wort zu lehren und Menschen zur Umkehr zu führen.
Binden
Binden bedeutet, Sünde ans Licht zu bringen und Menschen mit der biblischen Wahrheit zu konfrontieren, einschließlich der geistlichen Konsequenzen, wenn keine Umkehr geschieht.
Lösen
Lösen bedeutet, Menschen durch Gottes Macht Vergebung, Befreiung und Rettung zu ermöglichen.
Gott bestätigt das Binden und Lösen
Wenn in der Gemeinde gebunden oder gelöst wird, steht Gottes Autorität und Urteil hinter diesem Handeln. Das bedeutet, dass die Gemeinde nicht aus eigener Macht oder persönlichen Meinungen handelt, sondern dass Gott die Entscheidungen bestätigt.
Dieses himmlische „Ja“ ist wie eine Bejahung der Handlung: Gott stimmt dem zu, was die Gemeinde im Einklang mit seinem Willen tut. Dadurch wird das Binden und Lösen auf der Erde wirksam – es ist Gottes Kraft, die durch die Menschen wirkt, nicht ihre eigene.
Wenn zwei oder drei Christen im Namen Jesu übereinstimmen, wirkt Jesus bei ihnen, und die Wirkung ihres Handelns wird zusätzlich gestärkt
„Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“
(Matthäus 18,20, Schlachter 2000)
So zeigt sich, dass die Gemeinde ein Werkzeug Gottes ist, um Menschen geistlich zu leiten, zur Umkehr zu führen und in seinem Willen zu handeln, stets unterstützt durch die Bestätigung Gottes aus dem Himmel.