Zwei Geschichten viele Interpretationen
Dir ist also aufgefallen, dass es zwei Schöpfungsberichte im Buch Genesis gibt. Die von der Reihenfolge her nicht zusammenpassen? Das scheint auf den ersten Blick wirklich so zu sein.
Genesis 1 (kosmischer Schöpfungsbericht – sieben Tage)
1. Tag:
Licht und Finsternis werden getrennt.
„Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht.“ (1. Mose 1,3 SCH2000)
2. Tag:
Himmel (Ausdehnung) wird geschaffen.
„Und Gott machte die Ausdehnung und schied das Wasser unter der Ausdehnung von dem Wasser über der Ausdehnung.“ (1. Mose 1,7 SCH2000)
3. Tag:
Trockene Erde erscheint, Pflanzen entstehen.
„Und Gott sprach: Die Erde lasse Gras sprießen und Gewächs, das Samen hervorbringt, fruchttragende Bäume…“ (1. Mose 1,11 SCH2000)
4. Tag:
Sonne, Mond und Sterne zur Bestimmung von Tag und Nacht.
„Und Gott machte die zwei großen Lichter… und auch die Sterne.“ (1. Mose 1,16 SCH2000)
5. Tag:
Tiere des Wassers und des Himmels.
„Und Gott schuf die großen Meerestiere und alle lebenden Wesen… und allerlei Vögel.“ (1. Mose 1,21 SCH2000)
6. Tag:
Landtiere und der Mensch (Mann und Frau).
„Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild…“ (1. Mose 1,26 SCH2000)
7. Tag:
Ruhetag Gottes.
„Und Gott ruhte am siebten Tag von all seinem Werk.“ (1. Mose 2,2 SCH2000)
Genesis 2 (Eden-Bericht – Fokus auf den ersten Menschen)
Einleitung:
Noch kein Regen, Pflanzen zwar gepflanzt, aber nicht gewachsen.
„Es war aber noch kein Strauch des Feldes gewachsen… denn Gott der HERR hatte es noch nicht regnen lassen…“ (1. Mose 2,5 SCH2000)
1. Schritt:
Adam wird erschaffen.
„Da bildete Gott der HERR den Menschen, Staub von der Erde, und blies den Odem des Lebens in seine Nase.“ (1. Mose 2,7 SCH2000)
2. Schritt:
Garten Eden wird gepflanzt und Adam hineingesetzt.
„Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden… und setzte den Menschen dorthin.“ (1. Mose 2,8 SCH2000)
3. Schritt:
Tiere werden aus dem Erdboden gebildet und Adam zur Benennung vorgestellt.
„Und Gott der HERR bildete aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels…“ (1. Mose 2,19 SCH2000)
4. Schritt:
Erschaffung der Frau aus Adams Seite.
„Und Gott der HERR baute die Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, zu einer Frau und führte sie zu ihm.“ (1. Mose 2,22 SCH2000)
Beobachtung
In Genesis 1: Mensch wird nach den Tieren erschaffen.
In Genesis 2: Adam wird vor den Tieren erschaffen.
Viele Theorien fanden ihren Ursprung in den zwei Schöpfungsakten:
1) Die Schöpfungsakte sprechen von verschiedenen Göttern
Genesis 1,1 – 2,3:
Gott heißt ausschließlich „Elohim“ (אֱלֹהִים)
„Im Anfang schuf Gott (Elohim) Himmel und Erde.“ (1. Mose 1,1)
Genesis 2,4b – 3,24:
Gott heißt „Jahwe Elohim“ (יְהוָה אֱלֹהִים).
Die Theorie hält aber nicht stand, wenn man die Bibel kennt den später heisst es in Exodus 3,14–15:
„Gott sprach zu Mose: Ich bin, der ich bin… So sollst du den Israeliten sagen: Der HERR (Jahwe), der Gott (Elohim) eurer Väter, hat mich zu euch gesandt.“
– Hier wird der gleiche Gott sowohl als Elohim als auch als Jahwe benannt.
2) Präadamiten / Gap-Auslegung
Gott schuf Unterarten des Menschen bevor er Adam schuf. Dies macht aber keinen Sinn, da die Bibel dies so nicht erwähnt und Adam klar als ersten Menschen beschreibt. Auch der erste Schöpfungsbericht sagt klar aus, dass es ich um Menschen handelte.
"Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich; die sollen herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde, auch über alles Gewürm, das auf der Erde kriecht! 27 Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie."
(Genesis 1:26)
„So steht auch geschrieben: Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele; der letzte Adam aber zu einem lebendig machenden Geist.“
(1. Korinther 15,45)
Die Präadamitentheorie wurde sehr beliebt als die Evolutionstheorie aufkam. Sie bot eine Erklärung für die vermeintlichen Unterarten bevor "Homo Sapiens"
Die Präadamitentheorie geht ziemlich weit und bringt so gar die Eiszeit und eine luziferische Flut ins Spiel. Gott hat angeblich die Welt schon einmal geflutet. Der Prädadamitentheorie wird auf dieser Seite ein eigenes Kapitel gewidmet, sie ist meiner Meinung nach falsch.
3) Unterschiedliche Perspektiven
Die erste Schöpfungsgeschichte zeigt Gottes Sicht auf die Dinge, die zweite die Sicht von Adam. So schön das auch klingen mag, bringt man die verschieden Schöpfungsabläufe aber nicht auf einen Nenner. Es bleiben unterschiedliche Abläufe.
Meine Erklärung: Der Garten Eden - Gottes Laboratorium
1. Zwei Schöpfungsgeschichten – Unterschiedliche Abläufe
Wie bereits erläutert, berichtet Genesis von zwei Schöpfungsabläufen, die sich in Reihenfolge, Perspektive und Fokus unterscheiden. Doch ist das wirklich der Fall? Was ich hier zur Debatte stelle, ist Folgendes: Der erste Bericht zeigt tatsächlich die Schöpfung aus der Vogelperspektive. Er gibt einen groben Überblick über das, was ich die „Großproduktion“ nenne – die Erschaffung des Universums, der Erde, der Flora, der Fauna und schließlich der Menschen.
Der zweite Bericht hingegen führt uns direkt zur Erschaffung des ersten Menschen – und hier liegt der entscheidende Punkt, den bisher vermutlich alle übersehen haben: Dieser Bericht spielt nicht nach der ersten Schöpfungsgeschichte, sondern mitten in ihr. Der Fokus liegt auf den Pflanzen – sie sind der Schlüssel.
Dritter Tag: Pflanzen werden erschaffen:
„Und Gott sprach: Die Erde lasse Gras sprießen und Gewächs, das Samen hervorbringt, fruchttragende Bäume auf der Erde, von denen jeder seine Früchte bringt nach seiner Art, in denen ihr Same ist! Und es geschah so.“ (1. Mose 1,11 SCH2000)
Fünfter Tag: Tiere des Wassers und des Himmels entstehen:
„Und Gott schuf die großen Meerestiere und alle lebenden Wesen, die sich regen, von denen das Wasser wimmelt, nach ihrer Art, dazu allerlei Vögel mit Flügeln nach ihrer Art.“ (1. Mose 1,21 SCH2000)
Sechster Tag: Landtiere und schließlich der Mensch „als Mann und Frau“:
„Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich… und Gott schuf den Menschen in seinem Bild; als Mann und Frau schuf er sie.“ (1. Mose 1,26–27 SCH2000)
Der entscheidende Vers!
Im zweiten Bericht (Genesis 2,4b ff.) liegt der Fokus auf dem ersten Menschen und seiner Beziehung zu Gott. Die Einleitung hebt hervor, dass die Erde noch nicht vollständig funktionstüchtig ist:
„Es war aber noch kein Strauch des Feldes gewachsen auf der Erde, noch irgendein Kraut auf dem Feld; denn Gott der HERR hatte es noch nicht regnen lassen auf der Erde, und es war kein Mensch da, um das Land zu bebauen.“ (1. Mose 2,5 SCH2000)
Dieser Vers ist zentral:
• Pflanzen wurden am dritten Tag pflanzt, aber noch nicht gewachsen.
• Die Welt ist vorbereitet, aber noch nicht vollständig funktionsfähig – ein Safespace, der Garten Eden, wird für die erste Menschen Adam, erstellt.
2. Adam – der erste Mensch im Garten Eden
Adam wird nach der Pflanzenschöpfung, aber vor den Tieren erschaffen:
„Da bildete Gott der HERR den Menschen, Staub von der Erde, und blies den Odem des Lebens in seine Nase; und so wurde der Mensch eine lebendige Seele.“ (1. Mose 2,7 SCH2000)
Wichtige Punkte:
• Adam entsteht aus Erde → Verbindung zur materiellen Schöpfung.
• Durch den göttlichen Odem wird er bewusstes Wesen, fähig zu Gemeinschaft mit Gott.
Gott pflanzt Adam in den Garten Eden:
„Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden, im Osten, und setzte den Menschen dorthin, den er gemacht hatte.“ (1. Mose 2,8 SCH2000)
Eden ist ein geschützter Raum, ein „Laboratorium“ der Schöpfung, in dem der Mensch lernen und die Beziehung zu Gott erproben kann.
3. Auftrag und Verantwortung
Adam erhält einen klaren Auftrag:
„Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu bewahren.“ (1. Mose 2,15 SCH2000)
Damit wird Adam Hüter und Verwalter der Schöpfung – nicht als Knecht, sondern als verantwortlicher Partner Gottes.
4. Die Benennung der Tiere – Einführung in Herrschaft
Nachdem Adam erschaffen wurde, formt Gott die Tiere als Prototypen, um sie Adam vorzustellen:
„Und Gott der HERR bildete aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und brachte sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde…“ (1. Mose 2,19 SCH2000)
Adam benennt die Tiere, wodurch er geistige Autorität ausübt: erkennen, unterscheiden, ordnen.
Dies ist Teil der Testphase – Adam lernt, die Schöpfung bewusst zu verwalten.
5. Eva – die Gehilfin des Prototyps
Da kein Wesen Adam vollständig entsprach, erschafft Gott Eva:
„Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen… und Gott der HERR baute die Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, zu einer Frau und führte sie zu ihm.“ (1. Mose 2,21–22 SCH2000)
Eva ergänzt Adam, um Beziehung, Gemeinschaft und Fortpflanzung zu ermöglichen.
Sie sind die ersten Menschen, die bewusst in Eden leben – vor der Großproduktion der übrigen Menschheit.
6. Die Großschöpfung am sechsten Tag
Nachdem die Testphase abgeschlossen ist, startet Gott die Massenerschaffung:
• Landtiere:
„Und Gott sprach: Die Erde bringe lebende Wesen hervor nach ihrer Art… Und Gott sah, dass es gut war.“ (1. Mose 1,24–25 SCH2000)
• Menschen:
„Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich… und Gott schuf den Menschen in seinem Bild; als Mann und Frau schuf er sie.“ (1. Mose 1,26–27 SCH2000)
Damit entsteht die breite Menschheit und die Vielfalt der Tiere. Adam und Eva bleiben die ersten bewussten Menschen, deren Erfahrungen und Bewusstsein in die Welt getragen werden.
7. Der Sündenfall – Übergang in die gefallene Welt
Trotz der gelungenen Testphase missachten Adam und Eva Gottes Gebot:
„Da sprach die Schlange zum Weib: Keineswegs werdet ihr sterben!“ (1. Mose 3,4 SCH2000)
„Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie erkannten, dass sie nackt waren…“ (1. Mose 3,7 SCH2000)
Die Konsequenzen:
• Verlust der unmittelbaren Gemeinschaft mit Gott.
• Einführung des gefallenen Zustands in die Welt.
• Der Mensch muss nun Verantwortung in Freiheit übernehmen.
Wichtig der Sündenfall geschah nach Grossproduktion.
Was ich hier zur Debate stelle ist folgendes: Zur Zeit des Sündefalls war die Erde vollständig geschaffen und belebt. Adam und Eva im Garten und ein unbestimmte Anzahl Menschen ausserhalb des Gartens. Das selbe für Flora und Fauna.
8. Kain und die Menschheit außerhalb Edens
Nach dem Sündenfall lebt Adam mit Eva außerhalb von Eden.
Als Kain später eine Frau nimmt, geschieht dies außerhalb Edens:
„Und Kain erkannte seine Frau, und sie wurde schwanger und gebar den Henoch…“ (1. Mose 4,17 SCH2000)
Die Frau stammt aus der Großproduktion der Menschheit.
Damit verschmilzt die Linie der bewussten Prototypen aus Eden mit der allgemeinen Menschheit, die am sechsten Tag erschaffen wurde.
Schlusswort
Für mich ergibt das am meisten Sinn: Gott nahm sich bewusst Zeit für seine neueste Schöpfung – den Menschen, geschaffen nach seinem Ebenbild. Er wollte echte Gemeinschaft mit ihm erleben, sehen, wie sich sein freier Wille entfaltet, und ihn zugleich liebevoll begleiten und unterstützen. Deshalb übertrug er dem Menschen Verantwortung, gab ihm die Aufgabe, den Tieren ihre Namen zu geben, und zeigte damit, dass er ihnen vertraut und sie achten soll.
Dann schuf Gott Eva als Gegenstück zu Adam, eine Gefährtin, die ihn ergänzt und bereichert. Die beiden lebten in voller Freude und Harmonie im Garten Eden, in enger Verbindung mit ihrem Schöpfer. Gott blickte auf sein Werk und war tief zufrieden. Erst danach, an den Tagen fünf und sechs, begann er die Großproduktion von Menschen und Tieren, sodass die ganze Welt erfüllt wurde.