Den Baal küssen: Wie Satan sich am liebsten verehren liess


„Ich habe 7.000 in Israel übriggelassen, alle Knie, die sich nicht vor Baal gebeugt haben, und alle Munde, die ihn nicht geküsst haben.“ (1. Könige 19:18)

Im 9. Jahrhundert v. Chr., zur Zeit des Propheten Elia, befand sich das Volk Israel in einer politisch und religiös turbulenten Phase. Nach dem Tod von König Salomo (um 931 v. Chr.) war das vereinte Königreich Israel in zwei Reiche zerbrochen: das Nordreich Israel und das Südreich Juda. Während Juda in vielerlei Hinsicht den Davidischen Königen und dem Gottesdienst in Jerusalem treu blieb, verließ das Nordreich Israel zunehmend die Verehrung des einen Gottes und wandte sich heidnischen Praktiken zu, insbesondere dem Kult des Baal. Dieser Baalskult wurde unter König Ahab und seiner Frau Isebel, die das religiöse Leben im Nordreich stark beeinflussten, intensiv gefördert. Baal war der Gott der Fruchtbarkeit und des Regens, und seine Verehrung war oft mit grausamen Praktiken wie Kinderopfern verbunden.

Der Begriff „den Baal küssen“ bezieht sich auf das Opfern von Kindern im Rahmen des Baalskults, das als die größte und wertvollste Opfergabe galt. Es war eine besonders grausame Praxis, bei der Neugeborene oder kleine Kinder dem Baal geopfert wurden, um seine Gunst zu erlangen. Die Kinder wurden auf verschiedene Arten geopfert, zum Beispiel durch Verbrennen im Feuer oder durch andere brutale Rituale. Das Opfer eines Kindes wurde als das höchste Opferangesehen, das einem Gott dargebracht werden konnte, und daher galt diese Tat als das „Küssen“ des Baals – eine symbolische Bezeichnung für diese grausame und tief religiös verehrte Praxis. Das Kinderopfer wurde als ultimative Geste der Hingabe und als der größte Akt der Verehrung für Baal betrachtet.

In dieser Zeit, als das Volk Israel weitgehend von der wahren Anbetung Gottes abgewichen war, stellte sich der Prophet Elia gegen den Baalskult und rief das Volk zu einer Rückkehr zum Gott Israels auf. Elia war nicht nur ein Mahner und Ankläger gegen die Götzenverehrung, sondern auch ein Mann des Wunders, der mit einer Reihe von dramatischen Ereignissen in Erscheinung trat, wie der berühmten Konfrontation mit den Propheten Baals auf dem Berg Karmel, bei der Gott durch ein göttliches Feuer vom Himmel zeigte, dass er der wahre Gott war. Trotz Elias eindringlicher Aufrufe zur Umkehr fühlte sich Elia oft allein in seinem Kampf, da er das Gefühl hatte, er sei der einzige Prophet Gottes, der in einer durch und durch gottlosen Gesellschaft stand.

In 1. Könige 19:18 versicherte Gott Elia jedoch, dass er in Israel noch einen treuen Überrest von 7.000 Gläubigen übrig gelassen habe, die sich nicht dem Baal unterworfen oder seine Opferpraktiken praktiziert hatten. Diese Zahl von 7.000, so klein sie im Vergleich zur Gesamtbevölkerung auch erscheinen mag, war von enormer Bedeutung. Wenn man davon ausgeht, dass die Gesamtbevölkerung Israels zur Zeit Elias wahrscheinlich in den Hunderttausenden oder Millionen lag, könnte eine Zahl von 7.000 tatsächlich nur 0,7 % der Bevölkerung ausgemacht haben, was die kleine, aber treue Minderheit unterstreicht, die sich dem Götzendienst widersetzte. Die Zahl 7.000 könnte auch symbolisch für die Vollständigkeit und die göttliche Bewahrung dieses Überrests stehen, da die Zahl 7 in der Bibel häufig für göttliche Perfektion oder Vollständigkeit verwendet wird. Es war also nicht nur eine numerische Angabe, sondern auch ein Zeichen für den Glauben, dass Gott inmitten der Abkehr seines Volkes immer einen treuen Überrest bewahren würde.

Die Zahl der Israeliten zur Zeit Elias lässt sich nicht genau berechnen, da die Bibel keine Volkszählung aus dieser Zeit liefert. Jedoch kann man auf frühere Volkszählungen zurückgreifen, um eine grobe Vorstellung zu bekommen. Zum Beispiel gibt es in 4. Mose 1:46 die Zahl von 603.550 wehrfähigen Männern, was eine Gesamtbevölkerung von etwa 2 bis 3 Millionen Israeliten zur Zeit Mose (ca. 1440 v. Chr.) nahelegt. Auch in der Zeit von König David (ca. 1000 v. Chr.) wird in 2. Samuel 24:9 eine Zahl von 1,3 Millionen wehrfähigen Männern erwähnt. Zur Zeit Elia, im 9. Jahrhundert v. Chr., könnte die Zahl der Israeliten daher ebenfalls in den Hunderttausenden bis Millionen liegen.

Der Begriff „den Baal küssen“ bezieht sich also direkt auf das Opfern von Kindern im Baalskult. Diese grausame Praxis, die mit dem Glauben verbunden war, durch das Opfer eines Kindes die Gunst des Gottes zu erlangen, galt als das ultimative Opfer. Sie wurde als die größte und heiligste Opfergabe angesehen, die man Baal darbringen konnte. Dieser rituelle Akt war das Symbol für den höchsten Grad der Hingabe an Baal und die Bereitschaft, alles – sogar das Leben des eigenen Kindes – für die Götter zu opfern.

In dieser Zeit der religiösen und politischen Verwirrung war Elia ein Prophet, der den alten Glauben an den Gott Israels bewahren wollte. Die Zahl 7.000, die Gott Elia als treuen Überrest nannte, verdeutlicht, wie wenige die Menschen waren, die dem Baalskult widerstanden und sich der wahren Anbetung Gottes verschrieben. Auch wenn die Zahl relativ klein erscheint, so war sie dennoch ein Zeichen für die Treue und die göttliche Bewahrung, die auch in den schlimmsten Zeiten des Abfalls noch bestehen bleibt. Die Ereignisse rund um Elia und seine prophetische Tätigkeit stellen einen Wendepunkt in der biblischen Geschichte dar, an dem die Treue Gottes zu seinem Volk und das Zeugnis für die Macht des wahren Gottes erneut hervorgehoben wurden.

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