Das Leben ist ohne Gott sinnlos
Prediger 1,14
„Ich habe alle Werke gesehen, die unter der Sonne geschehen, und siehe, alles ist Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind.“
Prediger 1,17
„Und ich gab meinem Herz zu erkennen, um Weisheit und um den Wahn der Torheit und des Unsinns zu erfassen. Ich erkannte, dass auch das ein Haschen nach Wind ist.“
Prediger 2,11
„Und als ich alle Werke sah, die meine Hände gemacht hatten, und die Mühe, die ich mich abgequält hatte, siehe, da war alles Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind, und kein Gewinn unter der Sonne.“
Prediger 7,15
„Dies alles hab ich gesehen in den Tagen meines eitlen Lebens: Da ist ein Gerechter, der um seiner Gerechtigkeit willen umkommt, und da ist ein Gottloser, der bei seiner Bosheit lange lebt.“
Verstörend
Der Prediger ist ein verstörendes Buch. Nach dem Lesen bleibt eine Leere zurück, die sich nur schwer begreifen lässt. Der Predigerbrief ist das Resümee eines Mannes, der alles hatte – eines Königs, der sich alles erbat, was das Leben zu bieten hatte. Und dennoch, am Ende bleibt nur der bittere Geschmack der Bedeutungslosigkeit.
Man nimmt an, dass auch dieses Buch – neben den „Sprüchen“ und dem „Hohelied“ – König Salomo zugeschrieben werden kann. Meiner Meinung nach passt das gut: Salomo, der so weise war und gewissermaßen das göttliche Reich auf Erden anführen durfte, wurde am Ende seiner Regierungszeit dem wahren Gott untreu. 1. Könige 11,3 berichtet: „Und er hatte 700 Frauen von Fürstenstand und 300 Nebenfrauen; und seine Frauen verleiteten sein Herz.“ Weiter heißt es in Vers 4: „Als aber Salomo alt wurde, gingen seine Frauen sein Herz zu anderen Göttern zu neigen; und sein Herz war nicht mehr völlig dem HERRN, seinem Gott, ergeben, wie das Herz seines Vaters David gewesen war.“
Ich glaube, diese Abkehr und die Versuchung durch fremde Götter machten ihn in seinen späten Jahren depressiv – denn genau das bewirken Dämonen.
Der Ausdruck „Nichtigkeit und Haschen nach Wind“ zieht sich wie ein roter Faden durch den Predigerbrief. Alles ist leer, ohne Substanz, und endet im Tod. Du kannst reich oder arm sein, berühmt oder vergessen, in deiner Karriere triumphieren – doch am Ende ist alles nichts, nur Wind, der dir durch die Finger rinnt. Ja sogar die bösen Menschen, leben vielmals länger als die guten Menschen. Nichts macht Sinn!
Ohne tiefere Erklärung ist dieses Buch ein Schlag in die Magengrube jeder Weltanschauung. Doch genau das macht es so unerbittlich wichtig.
Der Prediger ist einzigartig in der Bibel, weil er wie ein Spiegel wirkt: Er zeigt das Leben so, wie es erscheint, wenn Gott aus der Rechnung herausgelassen wird. Der Prediger spricht von der Welt „unter der Sonne“ – einer Perspektive, die nur das Sichtbare und Vergängliche berücksichtigt. Und was bleibt, wenn man so lebt? Nichts. Ob man arbeitet oder genießt, ob man reich oder weise wird, ja sogar ob man gut oder böse ist – alles scheint keine Bedeutung zu haben. Alles endet gleich. Alles ist „Nichtigkeit“ und „Haschen nach Wind“. Alles endet im Tod.
Ein Leben ohne Gott
Darum wirkt der Prediger so bedrückend. Er ist die nüchterne Analyse eines Lebens ohne Jesus. Ohne Gott.
Es ist ein Kreislauf ohne Ausweg, ein Streben, das nie erfüllt wird, ein Leben, das letztlich in der Dunkelheit endet. Ohne Gott wird das Herz nie satt, der Sinn bleibt unerfüllt, und am Ende bleibt nur das Grab – die „äußere Finsternis“, fern von Gottes Licht.
Für uns Christen ist dieser Text herausfordernd, fast als wäre er mit dem Neuen Testament unvereinbar. Und genau das ist ja der Sinn des Buches! Es ist nicht vereinbar mit dem Versprechen des lebendigen Gottes!
Denn ich bin wiedergeboren, ich kenne Jesus, und deshalb weiß ich: Mein Leben ist nicht leer, sondern erfüllt von Auftrag. Was mich antreibt, ist der Wunsch, Gutes zu tun und den Menschen zu dienen. Ich möchte Schätze im Himmel sammeln, weil ich weiß, dass ich das ewige Leben habe. Mein Ziel ist es, Jesus immer ähnlicher zu werden und das Ziel niemals aus den Augen zu verlieren.
Meine Talente soll ich für Gottes Reich einsetzen. Kurz gesagt: Jeder Mensch hat eine Aufgabe, und wir alle sind berufen, uns nach Gott auszustrecken, weil er einen Plan für unser Leben hat und wir auch nach dem Tod Gemeinschaft mit ihm haben werden! Das sind doch einmal gute Aussichten, nicht?
Hier liegt der Gegensatz: Der Prediger sieht berechtigterweise in nichts einen bleibenden Sinn und empfiehlt, das Leben im Essen, Trinken und in menschlicher Gemeinschaft zu genießen – als das Einzige, was noch Freude schenkt. Obwohl er alles im Leben hatte, was er sich wünschte, erwies sich nichts als dauerhaft; selbst Freude an gutem Essen und Gesellschaft war nur von kurzer Dauer. So zeigt sich die Tragik eines Lebens ohne Gott und ohne ewige Perspektive.
Im Licht Jesu aber erkennen wir, dass das Leben unendlich mehr ist: Jede Tat, jedes Opfer, jede Gabe kann für Gottes Reich Frucht bringen. Der Prediger ist deshalb so wertvoll, weil er uns die Leere zeigt, die ohne Gott bleibt. Und das Evangelium offenbart die Fülle, die mit Gott kommt.
Was ohne Jesus wie Staub zerfällt, wird mit ihm zu einem Schatz im Himmel.
Ohne Gott ist das Leben Haschen nach Wind. Mit Jesus aber erfüllt es sich mit Licht, Hoffnung und einer Bestimmung, die den Tod überdauert.