Wir sind Geschöpfe
Aus biblischer Sicht sind wir Geschöpfe und nicht Schöpfer. Unser Leben verdanken wir Gott. Unser Aussehen, unsere Talente verdanken wir Gott. Die materielle Welt, die uns so wichtig ist und die wir nicht einmal nach dem Tod mitnehmen können, verdanken wir Gott.
Du sollst nicht begehren
2. Mose 20,17 (Luther 1912):
„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.“
Wie man sieht, geht es bei der Sünde des Begehrens um mehr als nur sexuelles Begehren. Nichts, was ein anderer hat, steht uns zu. Gleichzeitig zeigt die Bibel ein Bild eines sorgenden Gottes:
Psalm 23,1:
„Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.“
Matthäus 6,26:
„Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie?“
Petrus 5,7:
„Alle eure Sorge werfet auf ihn; denn er sorgt für euch.“
Gott will und wird immer wie ein liebender Vater für die Seinen sorgen. Er verteilt gerecht und nach seinem göttlichen Willen:
Psalm 11,7:
„Denn der HERR ist gerecht und hat Gerechtigkeit lieb; die Frommen werden sein Angesicht schauen.“
Sprüche 24,12:
„Wird er nicht dem nach seinem Tun vergelten, der das Herz prüft und merkt darauf, und der die Seele behütet, und wird dem Menschen geben nach seinem Werk?“
Psalm 75,3:
„Denn nicht von Osten noch von Westen, noch von der Wüste kommt Aufstieg; sondern Gott ist Richter: er setzt den einen hoch, den andern niedrig.“
Psalm 145,17:
„Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken.“
Sprüche 16,4:
„Der HERR macht alles für seine Zwecke, auch den Gottlosen für den bösen Tag.“
Sprüche 3,5-6:
„Vertraue auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand. Auf allen deinen Wegen erkenne nur ihn, so wird er deine Pfade ebnen.“
Römer 11,33:
„O Tiefe des Reichtums, Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie unermesslich sind seine Urteile und unerforschlich seine Wege!“
Ein Bild, das nicht zu verneinen ist:
Gott sorgt für die Seinen. Er teilt zu nach seinem heiligen, gerechten und weisen Ratschluss.
Weil das so ist, sollen wir nicht mehr begehren, als wir haben. Wir dürfen darauf vertrauen, dass das, was uns gegeben ist, für diesen Moment das Beste für uns ist – das, was Gott in seiner Weisheit für uns bestimmt hat. Er weiss besser was wir brauchen, auch wenn wir im Moment vielleicht nicht alles verstehen.
Dabei ist wichtig zu betonen: Dieses Prinzip richtet sich an gläubige Christen. Es gilt denen, die ihr Vertrauen auf Gott setzen und sich seiner Führung anvertrauen. Wer von Gott nichts wissen will, kann sich nicht zugleich auf seine väterliche Fürsorge berufen. Gottes Zusagen stehen in Beziehung zu denen, die ihm gehören.
Was passiert, wenn wir mehr begehren?
Was passiert, wenn wir eifersüchtig sind auf das, was andere haben? Was passiert, wenn wir eine Person begehren?
Wir stehlen vor Gott und spucken ihm ins Gesicht!
Wir erhöhen uns selbst. Wir glauben, wir wüssten besser, was gut für uns ist.
Wir nehmen uns einfach, was Gott uns nicht zugedacht hat!
Das ist das alte Denken, das uns diese gefallene Welt immer wieder einflüstert. Und es ist zutiefst egoistisch und unglaublich degradierend – für alle Menschen in unserem Leben. Selbst unseren Angehörigen spucken wir damit ins Gesicht – und das nicht zu knapp.
Denn was sagt die Welt?
Vielleicht gibt es noch etwas Besseres für dich. Du hast das Beste verdient!
Aber was steckt hinter diesem Anspruch?
Die Haltung, dass das, was wir haben, nicht genügt – weil es nicht das Beste ist.
Gerade in Bezug auf den eigenen Partner oder die eigene Partnerin ist dieses Denken besonders verletzend. Wenn wir eine Person begehren, die uns nicht zusteht, degradieren wir unseren Partner oder unsere Partnerin zu einem Objekt – zu einer Sache, die lediglich dazu da ist, uns zu befriedigen. Wenn unsere Ehepartner/innen unsere Erwartungen nicht mehr so erfüllen, wie wir es uns vorstellen, dann scheint es da draußen noch eine andere Möglichkeit zu geben: ein „Upgrade“, das uns aufwertet. Ein Upgrade, das wir angeblich verdient haben. Etwas Besseres.
Doch in diesem „Besseren“ hat der Mensch an sich keine Bedeutung mehr. Denn es geht nur noch um Selbstbefriedigung und Selbstoptimierung.
In solchen Momenten vergessen wir Gott – und wir vergessen, wer wir selbst sind. Wir vergessen, dass die Menschen in unserem Leben für uns da sind und uns so annehmen, wie wir sind – mit all unseren Macken. Wir vergessen, dass sie sich entschieden haben, ihr Leben mit uns zu teilen. Sie haben sich für uns entschieden. Sie lieben uns, unterstützen uns und handeln aus Liebe.
Doch im Moment des Begehrens zählt all das nicht mehr. In diesem Augenblick erhöhen wir uns selbst, lassen unserer Fantasie freien Lauf und geben uns einer Illusion hin – einer Illusion, für die wir bereit wären, alles aufzugeben, was uns eigentlich lieb und teuer sein sollte.
Wir spucken auf Gott – und auf unsere Liebsten!
1. Johannesbrief 2,15–17
Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt lieb hat, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm. Denn alles, was in der Welt ist, die Fleischeslust, die Augenlust und der Hochmut des Lebens, ist nicht von dem Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht und ihre Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.